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Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 19. Jänner 2025

19.01.2025
© https://de.wikipedia.org/wiki/Hochzeit_zu_Kana#/media/Datei:Giotto_-_Scrovegni_-_-24-_-_Marriage_at_Cana.jpg
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Es ist schon überraschend, dass Jesus sein erstes öffentliches „Auftreten“ auf einer Hochzeit hatte. Im Nachbarort von Nazareth, im Weinbaudorf Kana, findet eine Hochzeit statt. Maria ist dabei. Waren es Verwandte von ihr, die da heirateten? Auch Jesus ist eingeladen, und gleich auch noch seine Jünger, Männer, die sich ihm eben erst angeschlossen haben. Reiche Leute dürften das Brautpaar nicht gewesen sein, sonst hätten sie genügend Weinvorrat für das Fest gehabt.


Ganz so überraschend war es vielleicht doch nicht, dass Jesus auf einer Hochzeit erscheint. Die Bibel beginnt zwar nicht mit einer Hochzeit, aber mit Mann und Frau, mit der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau. Von Anfang an geht es um ihr Miteinander, um ihr Füreinander. Deshalb heißt es: „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.“
Die Bibel beginnt mit Mann und Frau. Sie endet mit dem Bild der Hochzeit. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, heißt es: „Gekommen ist die Hochzeit des Lammes und seine Frau hat sich bereit gemacht … Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist.“ Die Hochzeit als Bild des Himmels!


Kaum ein Fest wird so gründlich vorbereitet wie eine Hochzeit. Ich staune immer wieder, mit wie viel Liebe und Aufmerksamkeit alles bis ins Letzte geplant wird, damit es ein einzigartiges Fest werden kann. Dem Brautpaar von Kana passiert das Peinlichste: Der Wein geht aus! Die Mutter Jesu bemerkt es als erste. Seit Jahrhunderten haben Generationen dieses Evangelium gehört und betrachtet. Wir kennen nicht viele Worte von Maria. In dem Wort, das sie zu Jesus sagt, dürfen wir etwas mithören, was für Maria kennzeichnend ist: Sie weiß um unsere Not! In dem kleinen Wort „Sie haben keinen Wein mehr“ , wird spürbar, woher das tiefe Vertrauen so vieler Menschen zu Maria kommt.


Viel gerätselt wird seit jeher über die Reaktion Jesu seiner Mutter gegenüber. Sie klingt schroff und abweisend. Jesus hat wohl verstanden, dass Maria mit ihrem Hinweis auf die Not des Hochzeitspaares von ihm erwartet, dass er helfend eingreift. Jesus will sich nicht drängen lassen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Man hat es das schönste Wort Marias genannt, was sie auf die Zurückweisung Jesu antwortet: „Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!“ Das ist im Grunde die Botschaft Marias durch alle Zeiten: Was er euch sagt, das tut! Sie verweist immer auf Jesus und sein Wort.


Die Diener tun, was Jesus ihnen sagt, und daraus wurde das Weinwunder von Kana. Aus den sechshundert Litern Wasser in den großen Krügen wurde köstlichster Wein: „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa.“ Viel wurde und wird darüber nachgedacht, was dieses „Zeichen“ Jesu zu sagen hat. Auch so manche Witze und Scherze wurden darüber gemacht. Es ist ja verwunderlich, dass Jesu erstes Wunder mit so viel Wein zu tun hat. Mich beeindruckt daran vor allem die große Menge. Ein frühchristlicher Autor deutet es so: „Wir trinken immer noch davon!“ Der Wein der Hochzeitsfreude soll nicht ausgehen. Die Jünger Jesu „glaubten an ihn“, als sie das erlebten. Die Einladung zu diesem Hochzeitsmahl gilt bis heute!
 

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