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Vertrauensvoll ins Leben gehen

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 16. Februar 2025.

16.02.2025
© Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub, Stephan Schönlaub
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Demnächst darf ich den kleinen Nikolaus taufen, „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Ich darf dir, Nikolaus, den Segen von Gott Vater, die Wegweisung Jesu und die Kraft des Heiligen Geistes mit auf den Lebensweg geben. Wie wird dein Leben aussehen? Was wird es beeinflussen? In welche Zeit und Umwelt wirst du hineinwachsen? Wie wirst du dich in den kleinen und großen Weggabelungen deines Lebens entscheiden? Worauf und auf wen wirst du dein Vertrauen setzen? Und schließlich: Wie wird dein (irdisches) Leben einmal zu Ende gehen?


Je älter du wirst, desto geringer werden deine Wahlmöglichkeiten. Dein Leben wird dann schon weitgehend geprägt und durch dein bisheriges Leben bestimmt sein. Eines bleibt entscheidend, ob du jung oder alt bist: Wirst du dein Leben in dieser Welt „als letzte Gelegenheit“ sehen (so der Buchtitel von Marianne Gronemeyer), oder wirst du an ein Leben nach dem Tod, ein ewiges Leben glauben? Wenn mit dem Tod alles aus ist, dann taufe ich dich nur auf deinen sicheren, hoffentlich erst sehr späten Tod hin.


Die Bibel spricht hier eine klare Sprache. Sie kennt nur zwei Wege: den des Lebens und den des Todes. „Wähle das Leben, damit du lebst“, so heißt es schon im fünften Buch Mose. Um das geglückte Leben geht es auch in dem Evangelium Jesu, das heute gelesen wird. Welche Weisung gibt dir, kleiner Nikolaus, Jesus mit auf den Weg? Aufs Erste klingt sie gar nicht lebensfreundlich. Alles, was wir spontan als für dein Leben wünschenswert betrachten, belegt Jesus mit einem erschreckenden „Wehe euch!“ Du musst ja nicht ein Multimilliardär werden, aber wenigstens genug Geld haben, um nicht dauernd mit Sorgen um das Morgen leben zu müssen. Du sollst dich immer satt essen können. Dein Lachen soll dich dein Leben lang nicht verlassen. Und dass du von anderen gelobt oder gar geliebt wirst, ist das nicht wünschenswert? Es wäre doch seltsam, wenn deine Eltern und wir alle diese guten Seiten des Lebens mit einem „Wehe dir!“ belegen würden.


Damit kommen wir ganz nahe an den Kern der Botschaft Jesu. Macht er dir und uns allen die Lebensfreude und das Glück madig? Wie soll ich dir (und deinen Eltern) glaubwürdig machen, dass Armsein, Hungern, Trauern und Verhasstsein „selig“ ist, Reichsein, Satt sein, Lachen und Beliebtsein hingegen etwas bedrohlich Gefährliches darstellt? Ist das nicht eine verkehrte Welt? Ich glaube, den Schlüssel gefunden zu haben: Ganz sicher wünschen wir dir alle keinen der traurigen Zustände, die Jesus „selig“ nennt. Aber eines wünschen wir dir für dein Leben, und davon hängt dein Glück ab: Dass du nicht wegschaust, wenn dir Arme, Hungernde, Trauernde und Ausgestoßene begegnen. Denn dein Glück kann nicht darin bestehen, dass du das Unglück anderer einfach ausblendest.


Es ist das Herzstück des Evangeliums: Jesus hat die Armen seliggepriesen! Er hat sich als von Gott gesandt verstanden, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen. Was in der Welt als Unglück gilt, hat Gott besonders beachtet. Mit einem Hungernden dein Brot zu teilen, einen Weinenden zu trösten, Verachteten Wertschätzung zu zeigen, das nennt Jesus „selig“. Es gibt kein Glück, das nicht auch Mitgefühl mit dem Unglücklichen kennt. Lache dein Lachen mit den Lachenden, aber weine auch mit den Weinenden. Dein Leben, kein Leben gelingt ganz auf dieser Erde. Deshalb sagt Jesus den Armen und Verstoßenen, dass sie im Himmel erhalten werden, was das Leben auf dieser Erde ihnen vorenthalten hat. Deshalb kannst du, lieber Nikolaus, an Seiner Hand mit großem Vertrauen ins Leben gehen.
 

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