Ich glaube, dass Jesus von Nazareth wirklich tot war und wirklich auferstanden ist, sodass er heute lebt. Für das Leben vieler Menschen spielt dieser mein persönlicher Glaube so wenig eine Rolle wie die Frage, ob es UFOs gibt oder nicht. Für den kleinen Kreis der Menschen, die damals über den Tod Jesu trauerten, hatte die Frage eine unvergleichliche Bedeutung. Darum geht es im heutigen Evangelium vom zweifelnden Apostel Thomas und seinen Apostelkollegen. Mit dem grausamen Tod ihres Meisters und mit seiner eiligen Grablegung waren auch alle ihre Hoffnungen zu Grab getragen worden. Was dann am Abend des dritten Tages geschah, hat ihr Leben von Grund auf verändert. Es ist auch für mein Leben prägend.
„Wir haben den Herrn gesehen.“ So beschrieben die Zeugen des damaligen Abends das, was geschehen war. Trotz verschlossener Türen stand Jesus plötzlich in ihrer Mitte. Lebendig, leiblich wirklich, kein Gespenst, er selber. An den Spuren seiner Wunden konnten sie ihn klar identifizieren. Eine Illusion war auszuschließen. Ihr Kollege Thomas, der an diesem Abend nicht dabei war, zweifelte dennoch an ihrem Bericht. Er will ihn selber sehen, will handfest sicher sein, dass es wirklich Jesus war und nicht eine Wunschvorstellung. Dieser Zweifel hat Thomas zum Patron der Zweifler gemacht, die es genau wissen wollen und sich nicht mit den Erzählungen der anderen begnügen. Das macht den „ungläubigen Thomas“ so sympathisch.
Hinter dem Unglauben des Thomas steckt eine tiefe menschliche Erfahrung. Thomas hat den Menschen verloren, der ihm mehr als alles bedeutete. Die Wunde des Schmerzes war zu groß, um noch eine weitere Enttäuschung verkraften zu können. Wenn wirklich stimmen soll, was seine Kollegen sagen, dann will er mehr als nur ihren Worten glauben. Er will Jesus selber begegnen. Jesus schenkt ihm diese Begegnung. Sie bewegt ihn zum tiefen Glauben an Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“
Thomas ist gläubig geworden, weil er Jesus sehen und berühren konnte: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Es gibt sie heute zahlreich, die Menschen, die an Jesus glauben, ohne ihn je gesehen zu haben. Ihr Glaube ist mehr als das Für-wahr-Halten von Aussagen. Glauben ist zuerst eine Beziehung zwischen Personen, ein gegenseitiges Vertrauen. Auf dieser Basis schenken wir auch den Worten des Anderen Glauben. „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig“, sagt Jesus zu Thomas. Er lädt ihn dazu ein, ihm und seinem Wort zu vertrauen. Thomas durfte den Auferstandenen sehen und berühren. Glauben war und bleibt ein Akt des Vertrauens. Für mich heißt das schlicht: „Jesus, ich vertraue auf dich.“