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Wenn wir Trost brauchen...

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Zweiten Fastensonntag, dem 1. März 2026.

01.03.2026
© Duccio di Buonisegni 13111 - https://it.wikipedia.org/wiki/File:Duccio_di_Buoninsegna_039b.jpg
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Billiger Trost tröstet nicht. In Momenten großer Trauer, tiefer Schmerzen ist oberflächlicher Trost peinlich, sogar verletzend. Trost tröstet nur, wenn er echt ist, aus Mitgefühl und Anteilnahme kommt. Manchmal sind es kleine Gesten, Aufmerksamkeiten, die mehr Trost spenden als viele Worte. Trösten ist nicht die Lösung aller Leiden, es macht sie nur leichter erträglich. Wer Trost erlebt, ist nicht mehr ganz alleine mit seinem Schmerz. Ein tröstliches Erlebnis kann helfen, Durststrecken der Not durchzustehen.

 

Der Apostel Paulus beginnt seinen ersten Brief an die Gemeinde von Korinth mit starken Worten über den Trost: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und Gott allen Trostes. Er tröstet uns in aller Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.“ Ganz einfach sagt er es anderswo: „Tröstet einander!“

 

Wie tun? Nicht anders als es eine Mutter tut, die ihr Kind tröstet, das sich wehgetan hat. Das Wichtigste ist, dass sie da ist. Nicht anders tut es der „Gott allen Trostes“: Er ist da! Er ist da, gewiss, aber allzu oft ist wenig davon zu spüren. Vor allem bleibt die eine Frage oft ohne Antwort: Warum lässt er so viel Leid zu? Wozu Trost im Nachhinein, wenn das Leid bereits geschehen ist?

 

Heute, am zweiten Fastensonntag, gibt Jesus, so glaube ich, eine Antwort, zumindest dem Petrus, der dringend eines Trostes bedurfte. Was ist passiert? Sechs Tage vor dem Ereignis, das heute berichtet wird, hat Petrus durch Jesus die schärfste Zurechtweisung erlebt, die man sich vorstellen kann. Damals hatte Petrus eben das Bekenntnis zu Jesus ausgesprochen, das seither Kern des christlichen Glaubens ist: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Jesus hat darauf mit einer ganz großen Verheißung geantwortet: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Doch gleich darauf hat Jesus vorausgesagt, dass viel Leid und ein gewaltsamer Tod auf ihn warten. Dagegen protestiert Petrus energisch: „Das darf niemals mit dir geschehen!“ Nie hat Jesus schärfer reagiert: „Hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir!“

 

Wie musste sich Petrus in diesem Moment gefühlt haben? Zuerst großes Lob, dann harsche Kritik. Ist er jetzt von Jesus völlig abgelehnt? Ich glaube, Petrus brauchte dringend echten Trost. Er hatte es ja nur gut gemeint. Wer wünscht schon dem Menschen Leid und Tod, den er am meisten verehrt?

 

Hier schließt das heutige Evangelium an. Vertrauen tröstet. Jesus schenkt Petrus ein Zeichen, dass er ihm trotzdem weiter vertraut. Er nimmt ihn mit Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg mit, auf den Tabor. Was sie nach dem langen Aufstieg oben erleben, bleibt einmalig. Im Leben Jesu hat es nichts Vergleichbares gegeben. Einen Moment lang war der Himmel auf Erden. Der Eindruck muss überwältigend gewesen sein. Petrus hätte dieses Glück gerne festgehalten. Worte können nicht beschreiben, was es wirklich war: Das Gesicht Jesu „leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ Dazu Mose und Elija und eine Stimme vom Himmel: „Dieser ist mein geliebter Sohn… Hört auf ihn.“

 

Wie bei jedem Trost war dieser himmlische Moment nach einer Weile vorbei. Sie waren wieder zurück im Alltag. Das Leben ging weiter, ihr Weg nach Jerusalem, wo alles so kam, wie Jesus es vorausgesagt hatte. War der Trost deshalb eine Täuschung? Auch eine Mutter beschwindelt ihr weinendes Kind nicht, wenn sie es tröstet: „Es wird schon gut!“ Ich glaube, jeder echte Trost ist ein kleines Stück Himmel auf unserem Erdenweg. Wie ermutigt uns doch Paulus: „Tröstet einander!“

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