Warum geht im Orient eine Frau in der brütenden Mittagshitze zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen? Die Antwort ist sehr einfach: weil sie da sicher ist, keinen anderen Frauen zu begegnen. Die gehen alle in der Früh, wenn es noch, oder am Abend, wenn es wieder kühl ist. Warum meidet sie die Begegnung mit den anderen Frauen? Weil sie sich schämt und deshalb den Blicken und den Bemerkungen der anderen ausweichen will. Warum sie sich schämt, wird an diesem Tag klar, an dem sie einem Mann begegnet, der am Brunnenrand sitzt und der sie überraschend anspricht. „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?“ Aus der einfachen Bitte des Fremden entsteht ein Gespräch wie auf zwei Ebenen. Er spricht von einer Gabe Gottes, von lebendigem Wasser, das für immer und ewig den Durst stillt. Sie hofft, von ihm ein Wasser zu bekommen, das sie von der täglichen Mühe des Wassertragens befreit. Was dann geschieht, ist tatsächlich eine große Befreiung. Jesus sagt zu ihr: „Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!“ Mich berührt an dem ganzen Gespräch am meisten die Antwort der Frau: „Ich habe keinen Mann!“ Jesus sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie damit die Wahrheit gesagt hat: „Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“ Damit hat Jesus den Grund genannt, warum sie sich vor den anderen Frauen schämt. Sie will ihnen möglichst nicht begegnen. Alle wissen um ihren Lebenswandel. Auch Jesus. Doch von ihm kommt kein Wort der Verachtung. Ich glaube, er hat den Schmerz aus ihrer Antwort gehört: „Ich habe keinen Mann!“ Keiner ihrer „verflossenen“ Männer war für sie wirklich ihr Mann, auch nicht der, mit dem sie jetzt lebte.
Was jetzt folgt, ist das Wunder einer befreienden Begegnung. Die Frau lässt ihren Krug stehen, eilt in die Stadt und ruft die Leute zusammen: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Ist er vielleicht der Messias, Christus?“ Alle Leute wissen, was sie getan hat. Deshalb verachten sie diese Sünderin. Die Art, wie Jesus ihr begegnet, ist anders: zuerst mit der einfachen Bitte um Wasser, dann in dem tiefen Gespräch über das lebendige Wasser, das er spenden wird, schließlich mit der Wahrheit über ihre gescheiterten Beziehungen. All das hat sie befreit, hat ihr Mut gemacht, von diesem ganz anderen Mann zu allen Leuten zu reden. Schließlich bewirkt ihr Zeugnis über Jesus, dass der ganze Ort mit ihr zu ihm hinausgeht. Aus der befreienden Begegnung der Samariterin mit Jesus wurde für viele der Weg zum Glauben an Jesus geöffnet. Im Grunde ist es bis heute nicht anders: Wer so Jesus begegnet, der kann, wird „ansteckend“ für andere.
Johannes 4,5-18.28-30.39
In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Ist er vielleicht der Christus? Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Johannes 4,5-18.28-30.39
In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Ist er vielleicht der Christus? Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.