Eine österreichische Bank wirbt um junge Kunden mit der Ermutigung: „Glaub an dich!“ Glauben ist vor allem Vertrauen. Hab Selbstvertrauen – so kann man die Werbung verstehen. Gerade junge Menschen brauchen diese Ermutigung. Zweifel an sich selber, vor allem im Vergleich mit anderen, nagen am Selbstvertrauen. Um es zu stärken, braucht es vor allem die Erfahrung, dass die Älteren den Jüngeren Vertrauen schenken. Das baut auf und macht Mut.
Mut zu machen ist das Anliegen Jesu im heutigen Evangelium. Die Lage ist ernst. Es ist der letzte Lebensabend Jesu. Großer Ernst liegt über allem und Unsicherheit, wie es weitergehen wird, wenn Jesus nicht mehr da ist. In den „Abschiedsreden“ gibt Jesus Orientierung. Sie gilt nicht nur für damals: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ So oft hat Jesus gesagt: „Fürchtet euch nicht!“ Das stärkste Mittel gegen Zukunftsängste ist das Vertrauen: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus wird bald nicht mehr da sein. Aber sein Sterben hat einen Sinn für uns: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten“, eine Wohnung „im Haus meines Vaters“.
Ich liebe diese Verheißung ganz besonders. Ich bin in meinem Leben fast zwei Dutzend Mal übersiedelt. Nie war es eine endgültige Bleibe. Jesus bereitet uns einen Platz, der das Zuhause sein wird, aus dem ich nicht mehr wegmuss. Dort wird mein Weg ans Ziel gekommen sein. „Unsere Heimat ist im Himmel“, sagt Paulus kurz und bündig. Das ganze Leben ist der Weg dorthin.
Jesus gibt seinen Freunden nicht nur das Ziel vor, sondern auch den Weg: „Wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.“ Thomas, der Zweifler, fragt, wie dieser Weg aussehen soll. Die Antwort, die Jesus gibt, ist einzigartig: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Wenn einer von uns so etwas sagen würde, müsste man ihn als geisteskrank bezeichnen; wenn er noch dazu mächtig wäre, müsste er als höchst gefährlich gelten. Kein Mensch kann und darf so etwas von sich selber behaupten. Im Übrigen würde die harte Wirklichkeit einen solchen Anspruch schnell widerlegen. Niemand besitzt allein die Wahrheit. Keiner ist das Leben in Person. Wege gibt es so viele, wie es Menschen gibt. Warum kann Jesus das von sich sagen? Warum lädt er dazu ein, ihm das zu glauben und ihm so sehr zu vertrauen?
Ich versuche behutsam, seine Einladung zu verstehen. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch wirklich einmalig ist. Deshalb kann Jesus für jeden Menschen ganz persönlich zum Weg werden. Paulus konnte nach seiner Begegnung mit Jesus sagen: „Für mich ist Christus das Leben.“ Bis heute finden Menschen in Jesus den Weg, den sie gesucht haben, und die Wahrheit, an der sie sich orientieren können. Sie werden dadurch nicht zu Sonderlingen, zu seltsamen Spinnern. Ihr Menschsein wird auf diesem Weg nicht verkümmern, sondern sich entfalten.
Noch ein gewagtes Wort Jesu steht im heutigen Evangelium: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Auch dazu mein ganz persönlicher Gedanke: Gott kann ich mir nicht vorstellen. Er ist unsichtbar und unfassbar. Doch wenn ich auf Jesus schaue, wird mir Gott anschaulich. In ihm kommt mir Gott ganz menschlich nahe. Deshalb ist Jesus der Weg zum Ziel.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philíppus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philíppus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.