Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Wer ist er und wie wirkt er? Erstaunliche Antworten auf diese Frage bekomme ich von jungen Leuten. Die Zeit vor und nach Pfingsten ist die „Firm-Saison“. In vielen Pfarren empfangen junge Menschen, manchmal auch Erwachsene, das Sakrament der Firmung. Im vergangenen Jahr waren es in Österreich fast 40.000. Was erwarten sich diese vielen Menschen vom Heiligen Geist?
Seit über drei Jahrzehnten darf ich das Sakrament der Firmung spenden. Sehr oft erhalte ich Briefe der jungen Leute, in denen sie mir eine Antwort auf die Frage geben, warum sie gefirmt werden wollen und was der Heilige Geist für sie bedeutet.
Im Lauf der Jahre mache ich eine interessante Beobachtung: Früher war der häufigste Grund für die Firmung die Tradition. Es gehört eben dazu, wie Taufe und Erstkommunion. Jetzt kommt immer deutlicher zum Ausdruck, dass es für die jungen Leute eine klare und bewusste Entscheidung ist: „In der Firmvorbereitung habe ich viel darüber nachgedacht, was ich eigentlich glaube und was mir mein Glaube bedeutet. Mir ist klar geworden, dass ich nicht nur ‚automatisch‘ zur Kirche gehören will, weil ich getauft wurde oder weil es meine Eltern so gewollt haben. Ich möchte selbst entscheiden und aus eigener Überzeugung ‚Ja‘ zu Gott sagen. Darum möchte ich gefirmt werden.“
Solche Worte sind keine Seltenheit. Ich beobachte einen erfreulichen Wandel: Immer mehr junge Menschen suchen Halt im Glauben. Die Welt ist so unsicher geworden. Sie erleben viele muslimische Jugendliche, die ihren Glauben ernst nehmen, und beginnen, selber nach dem christlichen Glauben zu suchen, trotz mancher Widerstände: „Manchmal ist es nicht leicht, in meinem Alter zu zeigen, dass man an Gott glaubt. Man könnte als ‚uncool‘ abgestempelt werden. Aber ich möchte lernen, mehr darauf zu vertrauen, dass Gott an meiner Seite ist.“
Manchmal staune ich, wie anschaulich und praktisch junge Menschen vom Heiligen Geist sprechen. Ein Beispiel: „Als begeisterter Fußballer weiß ich, dass Talent allein nicht ausreicht. Man braucht Ausdauer, Teamgeist und jemanden, der einen leitet. Für mich ist der Heilige Geist wie ein innerer Coach. Wenn ich auf dem Platz stehe, lerne ich, was es heißt, für eine Gemeinschaft (das Team) alles zu geben. Diesen Einsatz möchte ich auch im Glauben zeigen.“ Dieser junge Fußballer weiß nicht nur, dass wir persönliche Stärkung im Glauben brauchen, sondern auch, wie sehr es auf das Team, die Gemeinschaft, das Zusammenspiel ankommt. Als bloße Einzelkämpfer können wir nicht bestehen. Niemand von uns ist eine Insel. Gott selber ist Gemeinschaft: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
In den vielen Briefen der jungen Menschen, die sich auf die Firmung vorbereiten, finde ich berührende Zeugnisse über die Lebenssituation, in die hinein das Sakrament des Heiligen Geistes empfangen wird: „In dieser Phase meines Lebens, in der viele Weichen für meine Zukunft gestellt werden, ist es mir ein Anliegen, meine Entscheidung für den Glauben bewusst zu stärken.“ Dieses Anliegen gilt für alle Lebensphasen. Schön, es von jungen Leuten zu hören!
Apostelgeschichte 2, 1-11
Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamíter, Bewohner von Mesopotámien, Judäa und Kappadókien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrýgien und Pamphýlien, von Ägypten und dem Gebiet Líbyens nach Kyréne hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselýten, Kreter und Áraber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.