Christen glauben an den einen Gott. Das haben sie gemeinsam mit den beiden anderen monotheistischen Religionen, dem Judentum und dem Islam. Alle glauben an einen Gott. In meinem Alltag im 2. und 20. Bezirk begegne ich vielen Muslimen und auch nicht wenigen Juden. Ich bin persönlich überzeugt, dass wir mehr gemeinsam haben als uns trennt.
Über einen wesentlichen Punkt besteht freilich große Uneinigkeit: Wir Christen glauben an einen Gott in drei Personen. Wir beginnen unser Gebet: „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Also doch drei Götter? So lautet der schwere Vorwurf. Gott ist der Eine, und neben ihm kann es keinen anderen geben – so der Einwand von jüdischer wie islamischer Seite. Der Stein des Anstoßes ist von Anfang an Jesus selber. Für die Christen ist er der Sohn Gottes. „Gott kann keinen Sohn haben! Er ist doch kein Mensch!“ – das ist der entschiedene Widerspruch der beiden anderen Religionen. Manch einer sagt sich: Wozu dieser Streit? Wieso all diese Konflikte der Religionen? Wir sind alle Menschen! Genügt das nicht? Lebt es sich nicht besser und friedlicher ohne Religion?
Eines ist klar: Wenn es einen Gott gibt, so ist er unbegreifliches Geheimnis. Nie werden wir es erklären können. „Wenn du glaubst, es begriffen zu haben, dann ist es nicht Gott“, sagt der heilige Augustinus. Auch die Liebe können wir nicht fassen. Wir spüren es aber schmerzlich, wenn sie fehlt.
Das heutige Evangelium spricht von beidem: von Gott und von der Liebe. Es sagt aus, was Jesus am wichtigsten war: dass Gott Liebe ist. Wenn Jesus von Gott spricht, dann nennt er ihn immer Vater und versteht sich als den Sohn. Das hat Anstoß erregt. Für wen hält sich Jesus? Eines ist sicher: Jesus wusste sich von Gott gesandt, nicht einfach als einer der Propheten, sondern als der „einzige Sohn“. Auch hat er immer wieder dazu eingeladen, an ihn zu glauben, das heißt: ihm zu vertrauen. Noch größer wird die Herausforderung, wenn Jesus den Glauben an ihn als unsere Rettung darstellt. Ich versuche immer wieder, mich in die hineinzudenken, die das nicht glauben können. Ich kann ihnen nachfühlen, dass sie sich damit schwertun. Deshalb hüte ich mich auch davor, über andere zu urteilen, die diesen Glauben nicht mit mir teilen.
Für mich und für viele sind die Worte im heutigen Evangelium voller Leben und Hoffnung: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…“ Liebe zeigt sich im Geben. Größeres kann Gott uns nicht geben als Jesus: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ Nicht richten, sondern retten! Das ist das Herzensanliegen Jesu. Die Gegner nicht verurteilen oder gar vernichten, sondern ihnen vergeben, das ist die Rettung, von der Jesus spricht. In unserer Welt, wie sie nun einmal ist, scheint das unmöglich. Da gilt meist das Recht des Stärkeren: Vergeltung statt Vergebung! Jesus ist den Weg der Liebe bis zum Äußersten gegangen. Er hat seinen Gegnern vergeben, seine Feinde geliebt. Er hat niemanden von seiner Liebe ausgeschlossen. An Jesus glauben heißt, ihm zu vertrauen, dass es mit seiner Hilfe und in der Kraft des Heiligen Geistes möglich ist, seinen Weg zu gehen. Mich ermutigt es zu sehen, wieviel Gutes vom Weg Jesu ausgeht, wo er gegangen und gelebt wird.
Johannes 3,16-18
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.