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Joh 6,51-56 - Brot für das Leben der Welt

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn zum Fronleichnamsfest am 4. Juni 2026,

04.06.2026
Christus hält vor seinem Leiden und Sterben ein letztes Mahl mit seinen Aposteln. Er teilt mit ihnen Brot und Wein und schenkt darin sich selbst den Aposteln und auch uns. Es ist der Abend der Einsetzung der Eucharistie und des Priesteramtes. Das bei
© Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub, Erzdiözese Wien/ Stephan Schön
Christus hält vor seinem Leiden und Sterben ein letztes Mahl mit seinen Aposteln. Er teilt mit ihnen Brot und Wein und schenkt darin sich selbst den Aposteln und auch uns. Es ist der Abend der Einsetzung der Eucharistie und des Priesteramtes. Das bei
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Des einen Freud‘, des andern Leid! Schon wieder ein Feiertag am Donnerstag, also ein günstiges langes Wochenende! Die Wirtschaft stöhnt, die meisten anderen sind froh darüber. Wir stellen fest, dass die religiösen Feste vor allem dem Urlaub dienen und nicht dem Gottesdienst. Klagen hilft wenig. Schön wäre es, wenn wir alle an diesen religiös begründeten freien Tagen uns Zeit für die Familie, das Miteinander, die Besinnung nehmen würden. Es ist erfreulich zu sehen, dass gerade in der jüngeren Generation ein Umdenken spürbar wird, wie neue Studien belegen. Wir, die ältere Generation, zu der ich gehöre, haben nicht unbedingt ein gutes Beispiel gegeben. Wir genießen die freien Feiertage, wir machen aber wenig Gebrauch von den spirituellen Angeboten dieser kirchlichen Feste.


Fronleichnam ist dazu eine gute Gelegenheit. Überall in Österreich sind die Fronleichnamsprozessionen gut verankerte Tradition. Sie sind keine Fitness- und Sportveranstaltungen. Sie haben aber etwas Verbindendes, die Gemeinschaft Stärkendes. Der Glauben geht auf die Straße! Er bleibt nicht auf die Kirche beschränkt. Der ganze Ort ist eingebunden. Meist sind die Häuser und Straßen geschmückt. Die örtliche Blasmusik ist dabei. Die „Goldhauben“ werden aus festlichem Anlass getragen, ebenso die Trachten. Die Prozession macht mehrmals Halt an Altären, wo der Segen erteilt wird.


Religiöse Folklore oder doch ein Ausdruck des persönlichen und gemeinsamen Glaubens? Das muss kein Gegensatz sein. Der Glaube braucht Ausdrucksformen. So ist das Fronleichnamsfest entstanden. Was Jesus im heutigen Evangelium angekündigt hat, gehört zum Kostbarsten des christlichen Glaubens. Jesus bezeichnet sich als „das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“. Er spricht davon, sich selber, Fleisch und Blut, uns als Speise, als Nahrung zu geben: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ Daher hat das Fest seinen Namen: Fronleichnam heißt wörtlich „Herrenleib“.


So entstand der Wunsch, den „Leib des Herrn“ zu verehren, durch äußere Zeichen, die Kniebeuge, die Anbetung der Hostie, schließlich durch den Brauch der Prozessionen mit dem Leib des Herrn durch die Straßen und Gassen. In dunklen Zeiten wie dem Nationalsozialismus oder dem Kommunismus waren die Fronleichnamsprozessionen mutige Bekenntnisse zu Jesus Christus, sofern sie nicht überhaupt verboten wurden. Sie wurden und werden aber nie als Demonstrationen verstanden, auch nicht als politische Manifestationen. Sie sind getragen von der freudigen Gewissheit, dass Jesus für alle Menschen gekommen ist. Wie wir das tägliche Brot brauchen, so stärkt und tröstet die Gegenwart Gottes im „Brot des Lebens“, auch über die Schwelle des Todes hinaus. Das ist Grund genug zum Feiern!

 


Johannes 6,51-56
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

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