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Mt 11,25–30 - Einladen statt drohen

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 5. Juli 2026,

05.07.2026
© EDW/GS
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Im heutigen Evangelium kommen die Weisen und Klugen schlecht weg. Gelobt werden „die Unmündigen“, wörtlich die kleinen Kinder, im weiteren Sinn die Kindlichen, die schlichten Gemüter. Ist das ein Lob der Dummheit? Jubelt Jesus den schlichten Kinderglauben hoch? Ist Weiterdenken nicht erwünscht? Der alte Verdacht wird wieder wach: Religion sei gegen die Vernunft! Glauben ist Sache derer, die auf eigenes Denken verzichten.

 

Das heutige Evangelium hat einen leuchtenden, strahlenden Ton. Man nennt es den Jubelruf Jesu. Es kann doch nicht sein, dass Jesus über menschliche Dummheit in Jubel ausbricht. Was also ist der Grund solcher Freude? Sie ist umso überraschender, als sie unmittelbar auf eine große Enttäuschung und einen entsprechend emotionalen Zornausbruch Jesu folgt. Sein Wirken in den Städten von Galiläa war begleitet von Wunderheilungen, die großes Staunen und viel Zulauf mit sich brachten. Sie bewirkten aber nicht das, wozu sie dienen sollten: dass die Menschen umkehren, sich bekehren, ihr Leben ändern. Man hat die Wunder Jesu bestaunt, aber alles blieb beim Alten. Heftige Weherufe Jesu drohen den namentlich genannten Orten ein strenges Gericht an.

 

Wie würde Jesus heute reagieren, wenn er feststellen müsste, dass wir alle wohl die Drohungen hören (Klimawandel, umdenken, Lebensstil ändern), aber unbeirrt unsere Wege weitergehen? Liest man die Gerichtsandrohungen Jesu, dann kann man, wenn man ehrlich ist, sie auf unsere Zeit beziehen. Damals wie heute müssen wir nüchtern feststellen, dass prophetische Warnungen kaum Erfolg haben. Das lernen die Eltern, wenn sie ihre Kinder warnen. Musste auch Jesus das schmerzlich zur Kenntnis nehmen? Hat er deshalb eine ganz andere Tonart angeschlagen? Will er uns einen echten Ausweg aus unserem ständigen Jammern und Klagen eröffnen?

 

Statt mit Beschuldigungen zornig um sich zu schlagen, stimmt er ein „Großer Gott, wir loben dich“ an. Gott ist der „Herr des Himmels und der Erde“, alles ist in seiner Hand. Das ist, so sagt er mit einer Prise Ironie, „den Weisen und Klugen“ verborgen. Die Bibel ist voll des Lobes der Weisheit, aber nicht der Allerweltsklugheit. Sie lobt die Bildung, warnt aber vor der Einbildung. Mit der Bibel lobt Jesus die geraden Herzen, die sich nicht für obergescheit halten, aber eine echte Lebensweisheit erlangt haben. „Kurz gesagt: Jesus verachtet nicht das Denken, er will, dass wir umdenken, umkehren zu Gott“ (Bischof Franz Kamphaus). Wie soll das aussehen?

 

Statt uns zu drohen, spricht Jesus eine Einladung aus. Eltern erreichen weniger durch „Wehe dir!“, als durch „Komm zu mir!“. Das macht Jesus: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe verschaffen.“ Jesus kritisiert die mangelnde Umkehrbereitschaft. Sie ist wirklich schmerzlich und letztlich höchst gefährlich und unklug. Aber er weiß, dass wir alle „mühselig und beladen“ sind, auch durch eigene Schuld. Den Ausweg zeigen nicht die Drohungen, sondern das Vorbild: „Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“ Wir alle tragen unser Joch. Er lädt uns ein, sein Joch auf uns zu nehmen, denn es drückt nicht, und er trägt es mit uns.

 

Matthäus 11,25-30
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

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