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Mt 13,24-30 - Erdreich und Himmelreich

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag 19. Juli 2026.

19.07.2026
Himmel und Erde.
© iStockt/TARAS RUDENKO, Rudenko Taras
Himmel und Erde.
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Eigenartig: Jesus spricht oft und oft vom Himmelreich. Es ist eigentlich sein Hauptthema. Doch wenn er versucht zu sagen, was denn das Himmelreich sei, dann spricht er meist von der Erde, heute ganz konkret vom Erdreich, vom Ackerboden. Für ihn spricht die Erde auch vom Himmel, wenn wir sie mit offenen Augen und wachem Herzen betrachten. Die Natur weist über sich hinaus auf den Schöpfer. Viele kennen diese Erfahrung und finden in der Natur einen Zugang zu Gott.

 

Ist das so einfach?

 

Warum gibt es auch das Schreckliche in der Natur, das Bedrohliche und Tödliche? Erdbeben und Unwetter, Hitzewellen und Tsunamis: Wir Menschen sind ihnen ausgeliefert. Wir haben die Natur im Griff. Noch mehr hat sie uns im Griff. Wo ist da auf Erden das Himmelreich? Der Dichter Reinhold Schneider (1903-1958) war zutiefst verstört über die Grausamkeiten in der Natur, in der Tierwelt, ganz zu schweigen von der Menschenwelt. Schweigt Gott zu all dem? Genau diese Frage spricht Jesus mit dem heutigen Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut an. Es geht um die ewige Frage von Gut und Böse in dieser Welt.

 

Wie damit umgehen?

 

Im Gleichnis spricht Jesus vom Himmelreich, vom Reich Gottes. Er ist überzeugt, dass der Himmel nicht erst im Himmel beginnt, sondern schon auf Erden erfahrbar ist. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, sagt er klar und deutlich. Es ist „wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ Es ist also im Erdreich angekommen. Ein Feind des Landmanns sät heimlich auch Unkraut mitten unter die gute Saat. Neben dem Guten gibt es also auch das Böse, will das Gleichnis sagen. Das Unkraut wächst mitten im Weizen, oft noch schneller als dieser. Das lehrt uns die Natur und leider auch unser Leben.

 

Was also tun?

 

„Sollen wir gehen und es ausreißen?“ Die spontane Reaktion ist uns vertraut. Das Übel muss bekämpft werden! Man darf ihm nicht Raum geben. Das wissen die Eltern, die ihren Kindern „nein“ sagen. Dazu gibt es Gesetze, die der Ausbreitung des Bösen Grenzen setzen. Eine Gesellschaft, die alles zulässt, wird unlebbar. Umso schockierender ist die Logik der Gleichnisse Jesu. Wo wir den Kampf gegen das Unkraut erwarten, sagt Jesus: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“ Wo soll das hinführen? Kein Gift mehr zur Unkrautvernichtung? Keine Gesetze gegen Untaten? Keine Gerichte mehr, die Unrecht bestrafen?

 

Kann eine Gesellschaft nach den Regeln dieses Gleichnisses funktionieren?

 

Vorsicht: Jesus spricht hier vom Himmelreich, nicht von den Reichen dieser Erde. Keinem Staat wird es je gelingen, alles Böse auszurotten. Könnte, ja müsste nicht wenigstens Gott mit seiner Allmacht all das Leid verhindern, das das Böse in der Welt anrichtet? Religiöse und politische Fanatiker haben immer wieder davon geträumt. Sie haben dabei viel guten Weizen ausgerissen. Das Himmelreich ist überall auf Erden ausgesät, es ist aber nie auf Erden vollkommen verwirklicht. Solange wir hier leben, wächst in unseren Herzen beides, Weizen und Unkraut. Erst im Himmel wird das Himmelreich ganz verwirklicht sein.

 

 

Matthäus 13,24-30

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

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