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Mt 13, 1–9 - Der fruchtbare Boden des Herzens

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 12. Juli 2026. 

12.07.2026
Fruchtbarer Boden mit Keimlingen
© iStock/FotoLesnik
Fruchtbarer Boden mit Keimlingen
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Der Hitzesommer bringt uns das heutige Evangelium anschaulich nahe. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass die Saat aufgeht. Mich haben Bilder erschreckt, an die ich nicht gewöhnt war. Im Mai, im Waldviertel, sehe ich einen Bauern mit seinem Traktor über den Acker fahren. Der Boden ist so trocken, dass der Wind kleine Wirbel aufsteigen lässt, wie Windhosen in der Wüste. Ein anderes Bild: Ein Bauer fährt über sein Feld. Er pflügt es um, denn die frische Saat kann nicht aufgehen ohne den ersehnten Regen, der ausbleibt. Was wird noch aus diesem Sommer?

 

Jesus lehrt uns, die Natur als Lehrmeisterin zu betrachten. Er beobachtet sie und hofft, dass wir mit ihm über sie staunen. Oft hat Jesus das Samenkorn ins Auge gefasst. Es ist so winzig klein, und doch trägt es schon alles in sich, was aus ihm werden kann. In der Natur ist es nicht anders als bei uns Menschen. In Ei und Samenzelle ist unser ganzes genetisches Programm mit allen seinen Möglichkeiten enthalten. Heute wissen wir unvergleichlich mehr über das unfassbare Geheimnis des Lebens. Ob wir deshalb auch mehr darüber staunen? „Wer Ohren hat, der höre!“, sagt Jesus. Versuchen wir es! Es lohnt sich.

 

Alles fängt gut an: „Ein Sämann ging hinaus, um zu säen.“ Der Sämann im Gleichnis Jesu hat noch keine große Sämaschine, die computergesteuert den Samen genau, nach Bodenqualität dosiert, aussät. Jesus geht es aber nicht um ein Handbuch der Landwirtschaft. Er spricht von uns. Wir sind der Acker. Alle bekommen denselben Samen. Warum haben nicht alle die gleichen Chancen auf Fruchtbarkeit, sprich auf Erfolg? Warum sind die Böden unseres Lebens so verschieden? Manche wachsen unter schwierigsten Lebensbedingungen auf, sodass sich die Saat einfach nicht entfalten kann. Das Dornengestrüpp der Armut, der sozialen Verhältnisse und der Mühen des Alltags erstickt alles.

 

Vorsicht: Jesus gibt hier keine Ratschläge für soziale Chancengleichheit, für wirtschaftliche Besserstellung der Benachteiligten, obwohl ihm das alles nicht egal ist. Ihm geht es nur um die eine Frage: Wie nehmen wir sein Wort auf? Fällt es auf fruchtbaren oder auf steinigen Boden? Jesus sagt es einmal frei heraus: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt besitzt, an seiner Seele aber Schaden leidet?“

 

Jesus ist der Sämann. Der Ackerboden ist das Herz des Menschen. Jesus gibt selbst die Auslegung seines Gleichnisses. Sein Wort fällt oft auf steinigen Boden. Ich denke, das ist zum Beispiel die Reizüberflutung durch übermäßigen Handykonsum. Da bleibt kaum ein stiller Moment, in dem das Herz zum Nachdenken und zur Ruhe kommen kann. Wenig Erdreich ermöglicht zwar ein kurzes Aufgehen der Saat. Sie kann aber nicht Wurzel fassen, weil es ihr an Tiefe fehlt. Die Dornen sind für Jesus das Bild der Alltagssorgen oder des Wunsches nach immer mehr, dem „trügerischen Reichtum“, wie er sagt. Umso fruchtbarer wird ein Leben, in das das Wort Gottes tief eindringt. Und nun das Entscheidende: Niemand ist davon ausgeschlossen! Jede Lebenssituation, alle Lebensgeschichten können ein ganz überraschend fruchtbarer Boden werden. Vieles in unserem Leben ist „vorprogrammiert“. Das Herz aber kann immer noch ein hörendes werden.

 

Matthäus 13,1-9

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!

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