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Mt. 16,13-20 - Du bist Petrus

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 23. August 2026,

23.08.2026
© Von Perugino - See below., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38902703
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Zweimal durfte ich an einer Papstwahl teilnehmen: im Jahr 2005 an der Wahl von Papst Benedikt XVI., im Jahr 2013 an der von Papst Franziskus. Bei der Wahl von Papst Leo hatte ich bereits die Altersgrenze überschritten. Das Papsttum scheint keine Altersgrenze zu kennen, es existiert seit 2000 Jahren. Wie ist das möglich?

 

Wenn ich mich nicht täusche, gibt es in der Geschichte keine vergleichbare Institution. Die äußere Form hat sich in dieser langen Zeit oft und tiefgreifend gewandelt. Im Kern blieb sie sich gleich: Immer ging es um den Nachfolger des Apostels Petrus. Nirgendwo ist das greifbarer als in Rom, am Petersplatz, im und unter dem Petersdom. Eines ist sicher: Der Petersdom ist über dem Grab des Petrus erbaut. Es liegt genau unter dem Altar, an dem seine Nachfolger Gottesdienst feiern. Der Obelisk, der in der Mitte des Petersplatzes steht, war „Augenzeuge“ der Kreuzigung des Petrus. Er stand im Zirkus des Kaisers Nero, unter dem Petrus das Martyrium erlitten hat. Papst Leo XIV. ist sein 267. Nachfolger. Was ist der Grund für die Jahrhunderte überdauernde Beständigkeit des Papsttums? Was ist das Geheimnis des Simon Barjona, dem Jesus den Beinamen Kephas, Petrus, Fels gegeben hat?


Ich schlage zur Beantwortung dieser Frage eine einfache Gedankenübung vor: Nehmen wir die Worte, die Jesus zu Petrus damals sagte, wörtlich und schauen wir, ob das Sinn macht.


Jesus hat seine Jünger gefragt, für wen sie ihn halten. Die Antwort des Petrus ist klar: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Sehen wir uns zuerst die Worte Jesu an, die direkt auf das Bekenntnis des Petrus antworten. Sie sind eigentlich unfassbar groß: „Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Im Klartext sagt Jesus, dass seine Kirche nicht untergehen wird, weil er selber sie auf einen Felsen baut, und dieser Felsen ist kein anderer als eben Simon, der Sohn des Jona, den Jesus Kephas, Petrus, Fels nennt. Ist diese Verheißung der Grund dafür, dass es bis heute Nachfolger des Petrus gibt?


Nehmen wir versuchsweise auch das zweite Wort Jesu wörtlich: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ Das heißt doch, dass Jesus dem Petrus mit den Schlüsseln auch die Leitung übergeben hat, die Binde- und Lösegewalt hier auf Erden und bis in den Himmel. Hat also Jesus den Petrus zu einer Art allmächtigen irdischen Herrscher machen wollen? Darf sich der Papst auf die Worte Jesu berufen, um für sich solche Macht zu beanspruchen? Sicher nicht, wenn wir auch wörtlich nehmen, was Jesus dem Petrus auf sein Bekenntnis antwortet: „Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Im Klartext heißt das: Nicht aus dir selbst hast du es, mich als Christus und Sohn Gottes zu bekennen. Das hat dir Gott geschenkt. An mich glauben ist nicht deine Leistung, sondern Gabe Gottes. Damit macht Jesus auch klar, was der Felsen ist, auf den er selber seine Kirche bauen wird: der Glaube des Petrus. Nicht weil die Kirche eine so solide Institution ist, gibt es sie bis heute. Sie lebt aus dem Glauben aller, die wie Petrus Jesus als den Christus, den Sohn Gottes bekennen. Wie schwach im Glauben gerade dieser Petrus sein kann, wird im nächsten Sonntagsevangelium klar werden.


Matthäus 16, 13-20
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

 

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