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Mt 20,1-16 - Neid oder Mitfreude?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 20. September 2026,

20.09.2026
© Von Lucas Cranach der Jüngere - https://redbrickparsonage.wordpress.com/tag/exsurge-domine/https://www.meisterdrucke.uk/fine-art-prints/Lucas-Cranach-the-Younger/44176/The-Vineyard-of-the-Lord,-1569-.htmlhttps://www.dw.com/image/18532262_303.jpg, Gem
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Der Schlüssel zum heutigen Evangelium steht am Schluss: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Man kann auch übersetzen: „Bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin?“ Das Gleichnis Jesu stellt jedem die Frage: Bist du neidig, weil einem anderen Gutes getan wird, oder kannst du dich ehrlich mit dem anderen und für ihn freuen? Neid oder Mitfreude?

Neid ist ein elementares Gefühl, dem wohl niemand ganz entkommen kann. Er kann so stark werden, dass wir sagen, jemand sei vom Neid zerfressen. Neid tut uns offenbar nicht gut, ist aber oft schwer vermeidbar. Ist es gerecht, wenn Frauen, die sich der Kindererziehung gewidmet haben, sich mit einer Mindestpension begnügen müssen, während andere ihren Lebensabend dank einer erheblichen Pension genießen können? Wie viel Ungerechtigkeit gibt es in der Welt! Kein Wunder, dass der Neid unter uns so verbreitet ist! Trägt nicht Gott selber dafür die Verantwortung, wenn er so viel Unrecht zulässt?

 

Um diese Frage geht es im Gleichnis. Der Gutsbesitzer ist ein Bild Gottes. Ihm gehört der Weinberg. Die sozialen Verhältnisse von damals gleichen denen von heute in vielen Teilen der Welt: Fixe Arbeit ist ein rares Gut. Daher versuchen viele, als „Taglöhner“ über die Runden zu kommen. Die Geschichte ist einfach aufgebaut: Ein Tageslohn wird vereinbart. Manche werden erst später am Tag angeheuert. Am Ende erhalten alle einen vollen Tageslohn, auch die Arbeiter der letzten Stunde. Dagegen protestieren die Arbeiter, die seit dem frühen Morgen „die Last des Tages und die Hitze ertragen“ haben. Sie haben kein Recht auf mehr als vereinbart, sie empfinden es aber als ungerecht, dass die später Gekommenen gleich viel erhalten. Ist das Neid? Oder ist es einfach Teil der Ungleichheit in unserer Welt? Wie gehen wir damit um? Nagt der Neid an mir, wenn ich sehe, wie gut es anderen geht? Oder protestiere ich gegen die himmelschreienden Ungerechtigkeiten dieser Welt?

 

Drei Antworten, so scheint es mir, gibt Jesus: „Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh!“ Jeder Mensch hat seinen eigenen Lebensweg. Schauen wir nicht neidig auf die anderen. Was wissen wir darüber, warum ihr Leben so anders verläuft als unseres? „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ Warum sind die Gaben Gottes so verschieden? Doch was wäre unsere Welt, wenn es nicht die Vielfalt der Begabungen, Talente und Bedürfnisse gäbe? Entscheidend ist die dritte Frage: „Bist du neidig, weil ich gut bin?“ Nicht die Laune eines Gönners gibt auch dem Letzten den vollen Tageslohn. Es ist Gottes Güte, die will, dass letztlich keiner zu kurz kommt. Darüber dürfen wir uns mitfreuen!

 

Matthäus 20,1-16

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

 

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