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Mt 21,33-44 - Pächter, nicht Besitzer

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 4. Oktober 2026

04.10.2026
© Georg Schimmerl
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Der lange, heiße, extrem trockene Sommer hat viele Fragen aufgeworfen und Sorgen bereitet. Wird das künftig unser Klima sein? Wird unser grünes, fruchtbares Land dürr und kahl werden? Wir hoffen alle, dass dies nur ein „Ausreißer“ war und nicht der „Normalzustand“ der Zukunft. Beim Betrachten des heutigen Evangeliums sind mir zu dieser bedrängenden Frage einige Lichter aufgegangen. Sie sind zwar nicht das direkte Thema des Gleichnisses Jesu, können aber vielleicht helfen, Antworten auf die bedrückenden Fragen unserer Zeit zu finden.


Der Gutsbesitzer legt einen Weinberg an, gut gesichert und ausgestattet. Er verpachtet den Weinberg an Winzer. Ich sehe darin ein Bild der Schöpfung: Wir haben sie nicht selber gemacht. Der Schöpfer hat sie uns anvertraut, damit wir sie bearbeiten und auch davon leben können. Die Winzer müssen freilich einen Teil der Ernte als vereinbarte Pacht an den Besitzer abliefern. Stattdessen misshandeln, ja töten sie die Knechte, die den Pachtanteil der Ernte abholen sollen. Schlimmer noch: Sie töten den Sohn des Weinbergbesitzers, um „sein Erbe in Besitz zu nehmen“.
Dieses Wort hat mich aufgeschreckt. Ich frage mich: Haben wir vergessen, dass wir hier auf Erden Pächter, nicht Besitzer sind? Natürlich gibt es das Recht auf Eigentum. Zu Recht wird es anerkannt und darf verteidigt werden. Aber auch das Eigentum unterliegt dem Recht. Wir können nicht damit machen, was wir wollen. Es ist uns anvertraut, als Privatbesitz, aber auch als Teil der Schöpfung, für die wir alle mitverantwortlich sind. Besitz ist immer auch Verpflichtung. Daher ist die Schöpfungsverantwortung uns allen gemeinsam aufgetragen. Niemand ist eine Insel. Der Klimawandel macht keine Ausnahmen. Er trifft uns alle. Das lehrt uns dieser Extremsommer.


Was können wir tun? Es stimmt schon: Der Klimawandel hat nicht nur menschengemachte Ursachen, aber sicher auch! Daran können wir etwas ändern, vor allem unsere Einstellung und das sich daraus ergebende Verhalten: Von Pächtern erwartet man nicht hemmungslose Ausbeutung des Pachtgutes. Was ist unser Pachtzins, den wir abliefern müssen? Das, was wir an die nächsten Generationen weitergeben sollen! Darüber müssen wir dem Gutsbesitzer Rechenschaft ablegen. Im Gleichnis Jesu steht dieser für Gott. Es macht eben doch einen großen Unterschied, ob wir so tun, als gehörte uns die Welt, als hätten wir freie Verfügung über sie und alle ihre Schätze, oder ob wir im Umgang mit ihr uns immer bewusst bleiben, dass wir Pächter sind, die Gott Rechenschaft geben müssen.


Man mag jetzt einwenden: Das ist nicht der ursprüngliche Sinn des Gleichnisses. Ja und Nein! Es geht um Jesus, den Sohn Gottes, den er uns gesandt hat, „denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.“ Kurz gesagt: Wenn wir uns alle mehr am Evangelium Jesu orientieren, besteht kaum die Gefahr, dass wir uns für die Besitzer der Welt halten, die Gott uns anvertraut hat. Es täte der Welt und uns allen gut!

 

Matthäus 21,33-44
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen,
damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus
und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen:
Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

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