Ein seltsamer Titel: die Frage nach der Frage! Im heutigen Evangelium stehen zwei Fragen im Mittelpunkt. Die eine stellen die Gegner Jesu. Die andere stellt Jesus. Es ist ein seltsamer Dialog, der aus Frage und Gegenfrage besteht. Diese Beobachtung hat mich bewogen, mir selber die Frage nach dem Fragen zu stellen. Es kennzeichnet uns als Menschen, dass wir Fragen stellen können. Die Eltern kennen bei ihren Kindern die Phase des Fragens: Warum ist das? Die kindliche Neugier zeigt sich zuerst im Greifen, dann im Fragen: wir wollen begreifen! In der Jugend werden wir von Fragen über uns selber umgetrieben. Der heilige Augustinus (354–430) beschreibt das in seinen Erinnerungen: „Und ich bin mir selber eine große Frage geworden.“ Die Frage nach dem Sinn des Lebens begleitet uns ein Leben lang. Glücklich, wer für sich eine Antwort gefunden hat. Die tiefste Frage, bewusst oder unbewusst, ist die nach Gott. Erschütternd ist immer wieder die Frage Jesu in der Todesnot am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Fragen, die leicht zu beantworten sind, und Fragen, die Fragen bleiben – beides gehört zum Leben. Fragen richten sich immer an ein Gegenüber, selbst wenn ich mir eine Frage stelle, sozusagen mich selber befrage. Fragenstellen setzt ein gewisses Vertrauen voraus. Ich suche meinen Weg und frage jemanden auf der Straße, wo ich ihn finden kann. Auskunft geben können ist ein wichtiger Dienst in unserem Leben. Wir sind so oft darauf angewiesen, in allen Lebensbereichen. Antworten können uns auch in die Irre führen. Schlimm, wenn das bewusst geschieht. Schlimmer, wenn schon die Frage in böser Absicht gestellt wird.
Damit komme ich zur ersten Frage im heutigen Evangelium. Es ist eindeutig eine Fangfrage. Einige Pharisäer haben sich mit Anhängern des Herodes zusammengetan, um Jesus eine Falle zu stellen. Beide Gruppen sind einander feindlich gesonnen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Jesus ablehnen. Sie wollen ihn beseitigen. Um ihre Absicht zu verbergen, schicken sie ihre Schüler vor. Es wirkt unverfänglicher, wenn junge Leute einem Erwachsenen Fragen stellen. Um Jesus in die Falle zu locken, haben sie den Auftrag bekommen, ihn mit dick aufgetragenen Schmeicheleien gesprächig zu machen. Die Frage klingt schließlich in ihrem Mund ganz ehrlich: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht?“
Hier ist es angebracht, über das Fragen persönlich nachzudenken. Ist mein Fragen ehrlich an einer Antwort interessiert? Hat es einen ironischen, spöttischen Unterton? Ist mein „Wie geht es dir?“ eine Floskel oder echte Anteilnahme? Wann hätte ich diese Frage stellen sollen und habe es nicht getan? Der andere hätte es so gebraucht!
Jesus antwortet mit zwei Gegenfragen: „Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?“ Manchmal ist eine Frage die beste Antwort. Sie kann das Herz des anderen berühren: Warum tust du mir das? Jesus will uns zur Ehrlichkeit führen. Nicht umsonst hat er gesagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen!“ Sie sollen ihm die Münze zeigen, mit der sie ihre Steuern zahlen: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Die Münze zeigt Bild und Namen des Kaisers. Die Antwort auf ihre Fangfrage ist einfach wie die Wahrheit: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Dieses Wort Jesu hat Weltgeschichte gemacht: Der Kaiser ist nicht Gott. Macht eure weltlichen Dinge, wie es sich gehört. Es bleibt die Frage aller Fragen: Was gehört Gott? Was verdanke und schulde ich Ihm?
Mattäus 22,15-21
In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denár hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!