Jesu Wort ist ein Sprichwort geworden: “Kein Stein wird auf dem anderen bleiben”. Es paßt genau auf unsere Tage. Deshalb ist dieses Evangelium mit seinen Warnungen und seinem großen Trost gerade jetzt ein Wort für diese Geschichtsstunde.
Jesu ist in Jerusalem, in wenigen Tagen wird es soweit sein: Gefangennahme, Prozeß, Todesurteil, Kreuzigung. Wie so oft ist Jesus in diesem Tempel, diesem prachtvollen Gotteshaus. Man bewundert seine Schönheit und Größe, wie so viele unsere Dome in Europa bestaunen.
“Alles wird niedergerissen werden”, sagt Jesus voraus. Unvorstellbar. Der Tempel soll zugrunde gehen? Keine vierzig Jahre später war er völlig zerstört. Nur die sogenannte “Klagemauer” blieb bis heute von seiner Pracht.
“Wann wird das geschehen?”, fragen seine Zuhörer besorgt? Wird es Vorwarnungen geben? Jesus antwortet nicht mit einem Zeitplan und genauen Daten. Vielmehr rüstet er seine Zuhörer für die kommende Zeit aus. Klar sagt er voraus, es werde eine schwere Zeit kommen. Was erwartet uns? Zuerst eine große Verwirrung. Falsche Propheten, allerlei irrige Heilslehren, selbsternannte “Messiase” und “Gurus”, die sich für “Christus” ausgeben und Glück und Heil versprechen. Waren nicht die Nazi-Ideologie (“Heil Hitler”) und der Kommunismus (“Paradies auf Erden”) solche Pseudo-Erlöser? Jesus rät zur Nüchternheit: Gebt acht, laßt euch nicht irreführen, lauft ihnen nicht nach!
Von Kriegen und Unruhen hören wir täglich. Von schrecklichen Dingen berichten die Medien täglich. 800 Millionen Menschen leben unterernährt. Seuchen verbreiten sich trotz aller Fortschritte. Gewaltige Erdbeben, Naturkatastrophen. “Laßt euch dadurch nicht schrecken”, sagt Jesus. Es geht nicht darum, sorglos in den Tag zu leben. Auch auch nicht um Panik. Mitten in allen Schrecknissen wird es Trost geben. Die, die den Krieg erlebt haben, die Schrecken der Bombennächte, die Nöte der Flucht, berichten immer wieder von solchen Erfahrungen der Nähe Gottes.
Zu den Bedrängnissen der kommenden Zeit zählt Jesus auch die Verfolgungen um seinetwillen. Für kein Jahrhundert trifft das mehr zu als für das zwanzigste. Weltweit werden zur Zeit die Zeugnisse über Menschen gesammelt, die um ihres Glaubens willen verfolgt wurden. Es sind viele Millionen; Märtyrer, Zeugen der Standhaftigkeit, die ihrem Gewissen und ihrem Glauben treu geblieben sind, notfalls bis in den Tod, wie eine Schwester Restituta, ein Franz Jägerstätter.
Weil wir auf dieser Welt nur Pilger sind, für die kurzen Lebensjahre, gilt es standhaft zu bleiben in den Bedrängnissen. Dann werden wir “das Leben gewinnen”, das nie untergeht, das ewige Leben.