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Wenn das Salz närrisch wird ...

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn zum 10.2.2002,
5. Sonntag im Jahreskreis (Mt 5,13-16)

10.02.2002
© www.BilderBox.com

Nichts ist unnützer als ein Salz das nicht salzt. Wegwerfen muss man es. Jesus gebraucht dieses drastische Bild als Kehrseite eines großen, gewaltigen Wortes: "Ihr seid das Salz der Erde". Sie mögen etwas verdutzt dreingeschaut haben, die Jünger Jesu, als sie am Berg der Seligpreisungen in Galiläa diese Worte hörten. Wie sollen die paar Fischer und Handwerker aus Galiläa gleich für die ganze Menschheit Salz, also Würze sein? Das Wort wird noch rätselhafter, wenn das zweite dazugenommen wird: "Ihr seid das Licht der Welt". Nicht nur Licht für ihre kleine Umwelt im armen Galiläa, sondern gleich für die ganze Welt. Ist das wieder einmal orientalische Übertreibung?

 

Die Erfahrung mit den Worten Jesu lehrt uns, dass sie immer ganz direkt und unverblümt zu nehmen sind. Jesus richtet keinen moralischen Appell an seine Jünger: Seid doch endlich Salz der Erde, Licht der Welt! Es wäre gewiss für jeden Menschen eine völlige Überforderung, einem solchen Anspruch zu genügen. Niemand von uns kann aus eigener Kraft ein so großes Licht sein. Jesus spricht aber in der Form einer Feststellung: Ihr seid es, Salz und Licht für die ganze Welt!

 

Was Jesus damit sagt, verstehen wir nicht, wenn wir nur auf unsere eigenen Leistungen  schauen. Jesus hat von sich selber gesagt: "Ich bin das Licht der Welt". Wer glaubt, dass Jesus von Nazareth der Messias, Christus der Sohn Gottes ist, der wird auch glauben können, dass Jesus wirklich "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist, wie er selber von sich sagt, und das nicht für sein eigenes Volk, die Juden, sondern für alle Menschen. Deshalb hat Jesus auch seinen Jüngern aufgetragen, zu allen Völkern und Menschen zu gehen und ihnen sein Licht zu bringen, was sie von Anfang an und bis heute getan haben.

 

Salz ist zum Würzen da, salzlose Speise ist fad und öde. Das Leben wird würzig, "g'schmackig", wenn in ihm das Salz Jesu ist, sein Wort, seine Güte, seine Menschenfreundlichkeit, sein barmherziges Verzeihen, kurzum seine Liebe. Und Jesus will, dass diese Würze des Lebens zu allen Menschen kommt. Dazu braucht er Menschen, die das leben und sichtbar machen, die selber "Salz der Erde" sind.

 

Zänkische, grantige, lieblose, hartherzige Christen sind so nutzlos wie Salz, das "närrisch" geworden ist, so heißt es wörtlich im biblischen Text, also unsinnig, schal und geschmacklos. Wo sie aber wirkliche Jünger Jesu sind, da leuchtet ihr Licht tatsächlich allen Menschen, sei es in der eigenen näheren Umgebung, sei es weit darüber hinaus. Deshalb sagt Jesus: Eine Stadt auf dem Berg bleibt nicht verborgen. Man sieht sie schon von weitem. Ihr Christen braucht euch nicht zu verstecken. Man sieht euch und schaut auf euch. Man schaut genau hin, was von euch zu sehen ist, denn Christsein ist nicht ein Privatsache. es soll sichtbar sein. Ich denke etwa an Don Bosco, den großen Apostel der Jugend im 19. Jahrhundert, dessen Gedenken die Kirche vor wenigen Tagen gefeiert hat. An seiner weltweiten Ausstrahlung wird sichtbar, dass Jesu Worte vom Salz und Licht keine Übertreibung sind.

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