Zu Ostern werden weltweit zahlreiche Erwachsene die christliche Taufe empfangen, in manchen Ländern sind es viele Tausende. Bei uns, wo meist schon die Kinder getauft werden, ist diese Zahl noch recht gering, doch wächst sie von Jahr zu Jahr.
Fragt man die erwachsenen Taufbewerber nach ihrem persönlichen Weg zum Glauben, dann hört man immer wieder Geschichten, die dem heutigen Evangelium nicht unähnlich sind. Ihr Weg zum Glauben und zur Taufe ist wie der des blind geborenen Mannes, dem Jesus das Augenlicht schenkte, das ihm von Geburt an fehlte. Sie erleben das Gläubigwerden als einen Weg zum Licht. Die Taufe wurde in frühchristlicher Zeit aus dieser Erfahrung heraus als “Erleuchtung” bezeichnet. Und deshalb wurde und wird das heutige Evangelium als ein Schritt in der Vorbereitung auf die Taufe gelesen.
Ich empfehle daher, in der eigenen Bibel dieses ganze lange 9. Kapitel des Johannesevangeliums zu lesen. Wer die Geschichte in voller Länge liest, kann sich kaum der Dramatik des Geschehens entziehen. Am Anfang steht die Wunderheilung des Blinden durch Jesus. Mehrmals hat Jesus Blinde sehend gemacht, und auch aus dem Leben der Heiligen sind immer wieder Blindenheilungen berichtet, etwa von Padre Pio.
Die Leute beginnen zu fragen: Was ist geschehen? Wie war das? Wer ist denn dieser Mann Jesus, der dich geheilt hat? Und immer wieder erzählt der Geheilte, was Jesus getan hat und wie er sehend geworden ist. Und dabei macht er die Erfahrung: Je mehr und je öfter er darüber spricht, desto klarer wird ihm selber, wer ihn geheilt hat und was ihm geschenkt wurde. Mehr und mehr wird aus dem Geheilten ein Gläubiger.
Ein wichtiges Element auf diesem Weg ist freilich der Widerstand, dem er begegnet. Die “Pharisäer” wollen ihm nicht glauben, sie beschimpfen ihn und werfen ihn schließlich hinaus. Sie halten Jesus für einen Gesetzesbrecher, der nicht von Gott sein kann. Der Geheilte aber kann und will nicht verleugnen, was ihm geschenkt wurde. An dieser feindlichen Ablehnung wächst er, wird immer klarer in seiner Überzeugung, dass Jesus ein Prophet ist, ja mehr noch, der Sohn Gottes. Er findet voll zum Glauben an Ihn und betet Ihn an.
Darin ist der geheilte Blinde Vorbild für den Weg zum Glauben.
In dem Maße, in dem ich anderen weitersage, wie es mir im Glauben gegangen ist, wird mein Glauben fester, und wo er sich auch im Widerspruch und gegen Widerstände bewährt, wird er tiefer und lebendiger und führt schließlich, wie im heutigen Evangelium, zur vollen Begegnung mit Jesus Christus.