Wie sollten wir ihn nicht mögen, den Zweifler Thomas, der voller Fragen steckt und sich auch traut, sie zu stellen! Es ist ja wirklich nicht leicht, zu glauben, dass der Meister, mit dem sie drei Jahre lang unterwegs gewesen waren und der so schrecklich brutal geendet hat, am Leben sein soll, dass er einfach wieder da sein soll, ganz lebendig und leibhaftig. Dass da Thomas seine Zweifel hat, wer wollte ihm das verargen?
Doch zurück zum Tatort. Man hatte also Jesu in ein Felsengrab gelegt, nahe der Hinrichtungsstätte, dem Golgata. Am übernächsten Morgen waren Frauen beim Grab, fanden es offen, ihn aber nicht darin. Hat jemand den Leichnam weggenommen? Da sieht Maria von Magdala einen Mann, den sie für den Gärtner hält: “Hast Du ihn weggebracht? Wohin hast Du ihn gelegt?” Der spricht sie an mit ihrem Namen: “Maria!” Da erkennt sie Ihn: “Rabbuni! Meister!” Und eilt zu den Aposteln und sagt ihnen: “Ich habe den Herrn gesehen.”
Da setzt nun das heutige Evangelium ein: Sehr viel Glauben schenken sie dieser Frau nicht, die elf Männer, die ängstlich die Türen fest verschlossen hatten. Für Geschwätz hatten sie dies gehalten, so berichtet ganz ehrlich Lukas. Und gefährlich war die Situation. Hatte man Jesus verhaftet und exekutiert, warum sollten nicht auch sie an die Reihe kommen?
Was dann geschah, ist schwer begreiflich, aber sie bezeugen felsenfest, dass es so gewesen ist: Plötzlich ist Jesus da, mitten unter ihnen, trotz der verriegelten Türen. Dass er es ist, kein Zweifel: an seinen Händen zeigt er die Nagellöcher und die große Seitenwunde, vom Lanzenstich, der seinen Tod sichern sollte. Nicht blutende Wunden, auch nicht vernarbte, sondern ... ja, wie soll man sich vorstellen, was in unserer Erfahrung sonst nicht vorkommt?
Thomas, der nicht dabei war, will sehen, betasten, im wörtlichen Sinn be-greifen. Sonst kann er einfach nicht glauben, was ja auch wirklich unglaublich ist.
Eine Woche später, eben heute, ist es soweit. Wieder steht Jesus plötzlich unter ihnen. Und Thomas kann nun wirklich be-greifen, dass Er lebt. Und jetzt glaubt er. Jetzt kann er aus ganzem Herzen sagen: “Mein Herr und mein Gott!”
Wie aber sollen wir begreifen, was für uns unbegreiflich, weil unsichtbar bleibt? Nicht sehen und doch glauben sollen wir, sagt Jesus zu Thomas. Aber kann man grundlos glauben, einfach so ins Ungewisse hinein? Das erwartet Jesus nicht. Gründe zu glauben, gibt es, Grund zu vertrauen. Zuerst die Glaubwürdigkeit derer, die damals Jesus wirklich gesehen haben, besonders der Zweifler Thomas. Sie haben keine Halluzinationen gehabt. Dann aber auch das Zeugnis der vielen Generationen danach und bis heute, die zwar den Auferstandenen nicht gesehen haben, aber im Glauben seine Nähe, seinen Geist, seine Liebe gespürt haben.
“Der Friede sei mit euch”, waren damals seine ersten Worte. Diesen Frieden gibt es bis heute, wenn ich mitten in Ängsten und Nöten plötzlich einen Frieden erlebe, der nicht von mir stammt.
Denn ich weiß: Er ist auferstanden und bei uns.