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Kommt alle zu mir

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn für den 14. Sonntag im Jahreskreis, 7. Juli 2002, (Matthäus 11, 25-30)

07.07.2002
© Rupprecht@kathbild.at

Es ist eine der schönsten, kostbarsten Stellen der ganzen Bibel, das Evangelium von heute. Jesus lässt uns einen tiefen Blick in sein Innerstes tun, er öffnet sein Herz und was es bewegt.

 

Unmittelbar vor diesem Abschnitt klagt Jesus in ernsten Worten über den Unglauben seiner Landsleute, die so viele Zeichen und Wunder von ihm gesehen haben und ihm trotzdem nicht Glauben schenken. So sehr ihn diese Undankbarkeit schmerzt, er findet doch auch Grund zur Freude, und davon spricht unser heutiges Evangelium.

 

Jesus beginnt vor allen Leuten laut zu beten, nicht ein auswendig gelerntes Gebet, sondern ganz persönliche Worte voller Freude und Dankbarkeit. Er lässt uns einen Blick in die tiefe Quelle tun, aus der er seine Kraft schöpft, aus der er lebt und wirkt. Der tragende Grund seines Lebens ist der, den er einfach “Vater” nennt, “der Herr des Himmels und der Erde”.

 

Das ganz Besondere an diesem heutigen Evangelium ist es, dass wir hier spüren, was es Wunderbares ist, ganz in Gott verwurzelt zu sein. Es gibt kein größeres Glück, keine stärkere  Ursache der Freude als die Gottverbundenheit. Solche Menschen haben eine besondere Anziehungskraft. Padre Pio, den der Papst am 16. Juni in Rom  heilig gesprochen hat, war so ein Mensch. Ich durfte ihn selber 1961 kennen lernen. Unvergesslich bleibt mir, wie er die Hl. Messe gefeiert hat. Es war kein bloßer äußerlicher Ritus mehr, sondern greifbar, dass Padre Pio  wirklich erlebte, was da in der Messe geschah.

 

Kein Mensch war jemals so eins mit Gott wie Jesus. Nur er kann von sich sagen, dass er wirklich Gott, den Vater, kennt. Und wer Jesus wirklich ist, das können wir von uns aus nicht begreifen, denn nur der Vater kennt ihn durch und durch.

 

Den “G’studierten” kommt das alles unglaublich vor. Sie stoßen sich an Jesus und lehnen ihn ab. Aber die Einfachen, Geraden, die Kleinen und Verachteten, denen geht das Herz auf, wenn sie Jesus begegnen. Bis heute ist es so, wenn man sieht, wie ein Padre Pio die Menschen anzieht. 

 

Deshalb ruft Jesus den Menschen zu: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Er verspricht, was er allein auch halten kann. Bei ihm findet mein Herz Ruhe, mehr als in allen Wellness- und Fitnesscentern, die zum körperlichen Wohlbefinden beitragen können. Aber die Lasten, die meine  Seele bedrücken, die kann er mir leicht machen. Freilich nur unter einer Bedingung: Ich muss bereit sein, von ihm zu lernen und sein Joch auf mich zu nehmen.

 

Wie es kein körperliches Fitnesstraining ohne eigenes Mittun gibt, so kann Jesus uns seine “Erquickung” nur geben, wenn wir sein “Programm” übernehmen. Verglichen mit den Mühen, die wir für Gesundheit und Erfolg auf uns zu nehmen bereit sind, ist sein “Joch” wirklich nicht drückend. Es heißt ganz einfach: Liebe Gott und deinen Nächsten.

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