Gehen wir im Geist dorthin, wo die Szene des heutigen Evangeliums spielt, in den Norden Galiläas, zu dieser hohen Felswand, aus deren Fuß eine der reichlich fließenden Jordanquellen strömt. Wer dort dieses Evangelium liest, versteht, warum Jesus gerade an diesem Ort dem Simon den Namen Petrus, der Fels, gegeben hat.
Ort und Zeitpunkt sind hier maßgebend. Es ist der nördlichste Grenzpunkt des Heiligen Landes.
Jesus zieht sich mit den Aposteln dorthin zurück. Er steht an einer Wende, und die Seinen sollen sie mit ihm vollziehen. Bisher war sein öffentliches Wirken höchst erfolgreich. Immer größere Scharen kommen von weither, um ihn zu hören, zu berühren, Heilung und Hilfe zu erbitten. Immer klarer aber wird auch die Feindschaft gegen ihn: Gotteslästerer, Gesetzesbrecher sei er, so lauten die tödlichen Vorwürfe. Immer deutlicher zeichnet sich der Weg ab, den er von diesem Wendepunkt an gehen wird: nach Jerusalem, ins Leiden, ans Kreuz.
In dieser Stunde will Jesus klarstellen, wer er wirklich ist. Nicht aus “Personenkult”, nicht um sich als “Guru” wichtig zu machen, sondern um sie auf das vorzubereiten, was in Jerusalem geschehen wird und was sie so schwer begreifen werden: seinen Tod am Kreuz. So fragt er zuerst nach der Meinung der Leute über ihn. Die verschiedenen Ansichten haben eines gemeinsam: Irgendwie spüren die Menschen, dass er ein Gottesmann ist. Aber ihr, so fragt er weiter, für wen haltet ihr mich?
Was Simon Petrus darauf antwortet, ist für alle Zeiten das Glaubensbekenntnis der Christen geworden, der Felsen, auf dem die Christenheit gebaut ist, mit dem sie steht oder fällt: “Du bist der Messias, Christus, der Sohn des lebendigen Gottes”. An diesem Bekenntnis werden sich immer wieder die Geister scheiden: Ist Jesus eine der größten religiösen Gestalten der Menschheitsgeschichte, oder ist er der menschgewordene Gottessohn, der wahrer Gott und Mensch ist?
Damals, vor dem hohen Felsen bei Cäsarea Philippi, ist zum ersten Mal in aller Klarheit ausgesprochen worden, was seither das felsenfeste Fundament des christlichen Glaubens bildet. Jesus stellt aber gleich klar. Simon, Sohn deines Vaters Jona, das hast du nicht aus dir selber (“Fleisch und Blut”), das kannst du nicht aus eigener Kraft begreifen, das hat Gott mein Vater dir ins Herz gelegt. Denn, dass ein Mensch, Jesus aus Nazareth, wirklich Gott in Menschengestalt, menschgewordener Gottessohn sein soll, das geht über menschliches Begreifen hinaus. Aber dass Petrus mit diesem Bekenntnis nicht phantasiert hat, erweist Jesus durch ein Wort, dass sich nun schon durch zweitausend Jahre als haltbar und gültig erwiesen hat: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Wenn es nur um Petrus und seine Nachfolger bis heute ginge, wäre die Kirche längst untergegangen. Aber Jesus hat versprochen, er selber werde seine Kirche auf Petrus und seinem Glaubensfundament bauen. Und der Herr hat bisher Wort gehalten, die Pforten der Todeswelt haben die Kirche nicht verschlungen. Oft tot gesagt, lebt sie, und der alte kranke Papst zeigt einer verwundeten Welt, dass Jesu Verheißung an seine Kirche unvermindert kraftvoll lebendig ist.