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Seid also bereit!

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn  für den32. Sonntag im Jahreskreis,  10.11.2002, (Mt 25,1-13)

10.11.2002
© kathbild.at/Rupprecht

Die drei Sonntage, die bis zum Advent noch bleiben, wenden unseren Blick auf die letzten Dinge des Lebens und der Welt. Einmal müssen wir Rechenschaft geben. Die Pilgerschaft auf Erden geht zu Ende, für jeden Einzelnen in der Todesstunde, für die Menschheit als ganze im Endgericht, am "jüngsten Tag". Sich dafür nicht bereit zu machen, unvorbereitet zu sein ist unklug, töricht. Davon handeln die beiden Gleichnisse an diesem und am kommenden Sonntag.

 

Die "Brautjungfern" gab es früher auch bei uns. Mit der Braut erwarten sie das Kommen des Bräutigams. Wenn er sich verspätet - was bei den damaligen Verkehrsverhältnissen nicht ungewöhnlich war -, müssen ihre Lampen lang genug brennen können. Sie müssen also vorsorgen. Wenn der Bräutigam dann spät in der Nacht plötzlich kommt, ist es zu spät, für Vorrat zu sorgen. Das muss früher geschehen, in Voraussicht und kluger Planung.

 

Das Gleichnis hat verschiedene Bedeutungsebenen. Da ist zuerst der ganz schlichte und praktische Sinn für die Tugend der Klugheit. Wer nicht plant, voraus denkt, umsichtig ist, den werden im Ernstfall bittere Überraschungen erwarten. Das gilt für das Familienbudget genauso, wie für einen Wirtschaftsbetrieb und auch für den Staat als Ganzen.

 

Aber Jesus hat offensichtlich noch anderes im Sinn. Es geht um mehr als nur um die notwendige Klugheit in den Angelegenheiten dieser Welt. Das Bild vom Hochzeitsmahl spricht vom Reich Gottes, von der kommenden Welt und davon, was wir zu tun und zu lassen haben, um das ewige Leben des Himmels nicht zu verlieren.

 

Unser Leben auf dieser Welt ist ein Zeit der Vorbereitung. Einmal, wir wissen nicht, wann, wird es auch für mich heißen: “Der Bräutigam kommt! Geh ihm entgegen!” Denn in der Todesstunde, so glauben wir, ist der Moment gekommen, Gott entgegen zu gehen. Dann wird es aber zu spät sein, noch schnell Öl-Vorrat für meine Lampe zu besorgen.  Dann muss ich bereit sein und vorgesorgt haben. 

 

Nur vor meiner letzten Stunde kann ich dazu etwas tun, danach ist es zu spät. Das sagt Jesus in verschiedenen Gleichnissen, um uns bewusst zu machen, wie kostbar die Zeit ist, wie gut wir sie benützen müssen, um “allzeit bereit” zu sein.

 

Das erklärt auch einen Zug in diesem Gleichnis, der manche schockiert. Als die törichten “Brautjungfern” die Klugen bitten: “Gebt uns von eurem Öl”, erhalten Sie eine barsche Abfuhr: “Dann reicht es weder für uns noch für euch”.  Wo bleibt da das Teilen, wo die Nächstenliebe? Genau das scheint Jesus hier sagen zu wollen: die Zeit des Teilens und der Nächstenliebe ist jetzt, hier und heute! Wer das ständig verschiebt, wer dafür nicht täglich sorgt, wird in der Todesstunde zu spät dran sein, um noch schnell das Öl der guten Taten zu erwerben.

 

So ist also die Sinnspitze dieses - wie auch des nächsten - Gleichnisses: Seid wachsam, denn weder der Tag noch die Stunde sind euch bekannt. Lebt also so, dass ihr allzeit bereit seid zu sterben, vor Gottes Angesicht hinzutreten.

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