Was für ein Gegensatz! Der große Kaiser Augustus, der mächtigste Mann der damaligen Zeit, der Herrscher über das gewaltige römische Reich. Er befiehlt, und alles hat sich zu beugen. Überall in seinem Weltreich müssen die Menschen sich in Steuerlisten eintragen lassen, damit aus allen Teilen des Reiches reichlich Steuern fließen, die der Kaiser braucht, um sein Reich zu finanzieren, seine militärische Macht aufrecht zu erhalten und auszubauen, um überallhin das großartige Straßennetz des Römerreiches zu legen, um die großen Paläste, Theater, Bäder, Stadien zu bauen.
Wie winzig ist daneben das Schicksal dieser kleinen Familie aus Nazareth, die sich aufmacht, um dem kaiserlichen Befehl zu folgen und sich in der Heimatstadt Josefs, in Bethlehem, in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Sie sind so unbedeutend, dass für sie kein Kaiserpalast, ja nicht einmal ein Quartier in der örtlichen Gastwirtschaft offen steht. Ein Stall muss herhalten, um der Mutter die Niederkunft zu ermöglichen.
Heute feiern wir nicht den Kaiser Augustus, sondern die Geburt im Stall in Bethlehem. Denn dieses Kind wird, kurz vor seiner Kreuzigung, zum Vertreter des römischen Kaisers, zum Statthalter Pontius Pilatus sagen: Du hättest keine Macht, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre! Nicht der Kaiser ist der Herr der Welt, sondern das Kind in der Krippe. Die Namen der Kaiser wie der anderen Großen dieser Welt sind längst vergangen und vergessen, aber immer noch wird überall auf Erden die Geburt dieses Kindes gefeiert.
Immer noch gilt, was damals den armen Hirten auf dem Feld bei Bethlehem ein Engel angesagt hat: Ich verkünde euch eine große Freude. Heute ist euch der Retter geboren, der Heiland, der Herr. Denn noch immer gilt dieses “Heute”. Seit dieses Kind geboren wurde, hört es nicht auf, seine Herrschaft zu zeigen, nicht mit Panzern, wie sie auch heuer wieder in Bethlehem stehen, sondern mit seiner Botschaft, die die Engel in der armen Nacht seiner Geburt gesungen haben: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade. Immer noch ist, gegen allen Anschein, die Macht der Liebe größer als die der Waffen, sind die Friedensstifter seliger zu preisen als die Gewalttätigen.
In Bethlehem, im Heiligen Land, herrscht auch heuer noch Krieg, die Waffen übertönen die Weihnachtslieder. Hat die Geburt des Kindes, das Gottes Sohn ist und die Menschen mit Gott versöhnen soll, doch nicht den verheißenen Frieden gebracht? Aber schon damals schien der Friede wie ein ferner Traum. Und doch haben damals schon Menschen bei diesem Kind den Frieden gefunden: die Hirten und dann die Weisen aus dem Osten. Und so ist es bis heute geblieben: Nur wer, wie Jesus sagte, selber “wie ein Kind wird”, kann und wird bei der Krippe des göttlichen Kindes Frieden finden und dann selber Frieden schenken.