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Kommt! Hinter mich!

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn für den 3. Sonntag im Jahreskreis,  26.1.2003, (Mk 1,14-20)

26.01.2003
© www.BilderBox.com

Dunkle Wolken stehen über dem Anfang. Johannes der Täufer wurde ins Gefängnis geworfen. Der diktatorische König Herodes hat es nicht ertragen, dass der Bußprediger Johannes ihm gesagt hatte: Du hast nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Wer unliebsame Wahrheiten ausspricht, muss mit unangenehmen Folgen rechnen. Unter diesem Vorzeichen beginnt Jesus sein öffentliches Wirken im heimatlichen Galiläa. Auch sein Weg wird im Gefängnis und am Kreuz enden.

 

Am Anfang steht aber ein hoffnungsvoller Ruf: Das Reich Gottes ist nahe! Reich Gottes - das war ein Wort voll Erwartung: Gott wird endlich gerechte Verhältnisse schaffen, eine Friedenszeit bringen. Schluss mit Unterdrückung, Terror und Krieg! Viele warteten sehnsüchtig auf diese Zeit.

 

Aber Jesus macht klar: Gottes gutes Reich kommt nicht ohne Euer Mittun. Nicht die großen politischen Umstürze werden das bewirken, sondern persönliche Umkehr und Glauben. Das eigene Leben ändern, die bösen Gewohnheiten zurücklassen, die eigenen Fehler bereuen und dafür zur Buße bereit sein: Ohne diese Schritte, die keiner uns abnehmen kann, kommt auch Gottes Friedenszeit bei uns nicht an.

 

Aber das ist nur die eine Seite, die Abkehr von den alten Übeln. Die andere, positive, ist eine neue Zuwendung zu Gott: Jesus nennt sie “glauben”: Glaubt an die Frohe Botschaft. Reich Gottes, Frieden und Gerechtigkeit kommen dort, wo wir neu Gott vertrauen.

 

Und wie das konkret aussehen kann, zeigen die beiden folgenden Szenen der Berufung. Zwei Brüderpaare, Fischer von Beruf, die Jesus einfach kurz und bündig ruft, mit ihm zu gehen. Kommt! Hinter mich! Er erklärt nicht viel, macht mit ihnen weder Gehaltsabschluss, noch vereinbart er Versicherungen und Urlaubszeiten. Sie lassen sich auf ihn ein, verlassen alles, Beruf, Familie, Umgebung, und gehen mit ihm, hinter ihm her, in eine völlig ungewisse Zukunft. So viel Vertrauen erstaunt. War es nicht Leichtsinn? Und Rücksichtslosigkeit der eigenen Familie gegenüber?

 

Seit diesen ersten vier sind Unzählige einem ähnlichen Ruf Jesu gefolgt. Oft mussten sie sich sagen lassen: Wie kannst du deine Eltern im Stich lassen, wie kannst du deinen Beruf aufgeben? Wo bleibt da die Klugheit, die vernünftige Lebensplanung? Aber ohne dieses Vertrauen auf Jesus und seinen Ruf wäre nie ein Franziskus aus dem Geschäft seines Vaters ausgestiegen, hätte nie eine Mutter Teresa alles verlassen, um in Kalkutta die Sterbenden zu sammeln.

 

Gilt das alles nur für die ganz “besonderen” Berufungen wie Priester oder Ordensleute? Ich glaube nicht. Denn sein Leben zu ändern, umzudenken und umzukehren und Gott neu zu glauben und zu vertrauen, das ist nicht auf einige Wenige beschränkt.

 

In jedem Lebensweg gibt es Zeiten, da ein solcher Neuanfang angesagt ist. Dann gilt es, sich von Vertrautem zu trennen, und das kann sehr schmerzlich sein. Aber wenn ich weiß, wer mich dazu ruft und wem ich dabei vertrauen kann, dann ist es ein Schritt zu neuem Leben.

 

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