Wallfahrer kennen das: die Freude, wenn man zum ersten Mal das ersehnte Ziel des oft langen und beschwerlichen Weges sieht. In Santiago de Compostela heißt dieser Punkt „Freudenberg“ (Monte Gozo).
Die Pilger nach Jerusalem hatten dieses Erlebnis, wenn sie, auf den Ölberg angelangt, plötzlich Jerusalem vor sich sahen und besonders den prachtvollen Tempel dort wo heute der Felsendom steht.
Jesus „inszeniert“ selber seinen Einzug in Jerusalem, nach genauem „Regieplan“. Er lässt sich einen jungen Esel holen. Erstaunlich – aber seine Jünger haben schon so viel Erstaunliches mit ihm erlebt -, dass er genau weiß, wo sie den Esel finden werden, den er sich ausborgt, und dass alles so läuft wie er es voraussagt.
Ebenso wird es ja einige Tage später sein, als man ihn gefangen nimmt, verurteilt, misshandelt und kreuzigt. Auch das hat er mehrmals genau vorhergesagt. Und auch, dass es nicht dabei bleiben wird; dass er nach drei Tagen vom Tod auferstehen wird.
Warum ein Esel? Warum nicht zu Fuß, wie sonst immer? Warum nicht „hoch zu Ross“? Das Zeichen war klar: Bei einem Propheten stand folgende Verheißung: „Jauchze, Tochter Jerusalem! Denn dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist bescheiden und reitet auf einem Esel. (...) Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer.“ Der sehnsüchtig erwartete Friedenskönig, der Messias, werde, so schaute es der Prophet, den Kriegen ein Ende setzen.
Jesus sagt schlicht und geradeheraus, dass er der Ersehnte ist. Nicht mit Militärmacht, sondern auf einem Esel reitend zieht er in seine Königsstadt Jerusalem ein. So verstehen wir den Jubel der Menschen. Alle Hoffnung richtet sich auf ihn. So verstehen wir aber auch die Enttäuschung, die sich bald breit macht. Denn nicht ein neues politisches Königsreich kommt Jesus auf zu richten, sondern das Reich Gottes. Bei vielen wird die Enttäuschung in Wut umschlagen. Am Karfreitag werden sie „ans Kreuz mit ihm“ schreien.
Jesus kommt nicht, um zu zwingen und zu überwältigen. Er will nicht die politische Macht, sondern die Herzen gewinnen. Bescheiden zieht er in Jerusalem ein, und so will er bis heute zu uns kommen. Oft fragen wir uns, warum Gott das alles zulässt: Krieg, Krankheit und so viel Leid? Er hat doch die (All-) Macht, dreinzuschlagen, Ordnung zu machen. Er wollte aber seine Macht anders zeigen, und es fällt uns nicht leicht, dazu Ja zu sagen: Er will uns von der Wurzel her heil machen, durch die Umkehr zu Gott, die Abkehr vom Bösen, durch die Macht der Liebe.
Das ist sein Friedensplan. Der einzige, der wirklich hält. Unterzeichnet hat ihn Jesus am Kreuz. Dafür zieht er in Jerusalem ein. Und das ist bis heute Grund zur Freude.