Durch fünfzig Tage, von Ostern bis Pfingsten, Sonntag für Sonntag, nur ein einziges großes Thema: die Auferstehung Jesu! Und dann weiterhin: Sonntag für Sonntag, das ganze Jahr hindurch, wieder dieses eine Thema: die Auferstehung Jesu!
Jeder Sonntag sozusagen ein Osterfest! Was den Sonntag zum Sonntag gemacht hat, war eben dieses einmalige Geschehen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Das zeichnet diesen Tag vor allen Wochentagen aus. Nicht als “Wochenende” gilt der Sonntag im christlichen Verständnis, sondern als der erste Tag der Woche. Denn mit der Auferstehung fängt eine neue Zeit, ein neues Leben an.
Aber haben wir heute dafür ein Gespür? Warum ist die Auferstehung das Thema Nummer eins des christlichen Glaubens? Und warum stieß dieses Thema von Anfang an auf so viel Unverständnis und Widerspruch, auf Spott und Ablehnung? Woran lag das ? Das heutige Evangelium nennt uns sehr genau die beiden Hauptschwierigkeiten mit dem Glauben an die Auferstehung.
Als Jesus an diesem Abend des Tages seiner Auferstehung aus dem Grab, diesem ersten aller Sonntage, plötzlich inmitten der Apostel erschien, war die spontane Reaktion nicht Friede und Freude, sondern Angst und Entsetzen. Sie können es nicht fassen, sie zweifeln, und erst kräftige Zeichen wie das Anfassen seines Leibes, das Zusehen, wie er vor ihren Augen ißt, lassen Freude in ihnen aufkommen.
Die erste Schwierigkeit ist und bleibt diese: wozu eine leibliche Auferstehung? Leben wir nicht nach dem Tod sowieso (irgendwie) weiter? Wozu nocheinmal einen Leib bekommen, und wenn schon, was für ein Leib soll das sein? Es wundert nicht, dass so viele am Sinn der Auferstehung des Leibes zweifeln, die durchaus ein Weiterleben nach dem Tod annehmen.
Aber gerade dafür sollen die Apostel damals und die Christen bis heute Zeugen sein. Jesus wollte, dass diese frohe Botschaft zu allen Völkern gebracht wird. Freudig ist die Nachricht von der Auferstehung Jesu aber erst im Zusammenhang mit der zweiten Schwierigkeit. Sie war und ist bis heute der große Stein des Anstoßes.
Es ist die Tatsache, dass vor der Auferstehung Jesu sein Kreuzestod liegt, vor Ostern der Karfreitag. Sinnlos, als blanke Schrecklichkeit erschien den Aposteln, dass ihr Meister den grauenvollen Tod am Kreuz erlitten hat. Es war der Zusammenbruch aller Hoffnungen, die totale Enttäuschung. Und nun kommt Jesus und zeigt ihnen geduldig, dass es so sein musste, dass dies Gottes Plan und nicht nur menschliche Grausamkeit war. Das Kreuz war nicht ein Unfall, kein unglücklicher Zufall, sondern der Weg, den Gott selber gewählt hat, um allen Menschen die Befreiung von der Last ihrer Sünden zu schenken.
Am Ostermorgen ist Jesus aus dem Grab auferstanden. Gott hat bestätigt: sein Tod am Kreuz war kein sinnloses Sterben. Sein Leiden war nicht vergeblich. Dann ist aber auch mein Leiden nicht vergeblich. Wenn sein Kreuz der Weg zum neuen Leben war, dann kann auch mein Kreuz der Durchgang zu meiner Auferstehung sein. Jesus, öffne auch mir die Augen, dass ich das verstehe!