Ein alter Spruch sagt: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Damit ist eine oft bittere und nüchterne Lebenserfahrung ausgesprochen. „Wer zahlt schafft an“, sagt man. Meinem „Brötchengeber“ muss ich zu gefallen suchen. Von wem ich abhängig bin, dem muss ich mich beugen, mich ihm anpassen, eben „sein Lied singen“.
Am heutigen Fest Fronleichnam möchte ich dieses Wort im positiven Sinn umdeuten. Heute wird in vielen Orten unseres Landes freudig und farbenfroh das Lied dessen gesungen, dessen Brot wir in der heiligen Eucharistie essen. Wir gehen hinaus, auf die Straßen, Plätze, Wege unserer Gemeinden, mit Musik, oft mit Trachten, in der Mitte der „Himmel“, von vier „Himmelträgern“ getragen, und darunter der Priester mit der Monstranz, dem „Allerheiligsten“, Christus in der einfachen Brotgestalt. Viel Folklore, aber auch viel tiefe, echte Frömmigkeit, und warum sollte nicht beides gut zusammengehen?
Und doch: ist das alles nicht meilenweit entfernt von dem, was da am Anfang stand, wovon das Evangelium berichtet? Was wissen wir von diesem Ursprung, und was ist davon geblieben?
Alles fing an mit einem Abendessen besonderer Art, das unsere jüdischen Mitbürger bis heute besonders feiern: mit dem Pesachmahl, wahrscheinlich im Jahr 30 unserer Zeitrechnung. Zigtausend Pilger sind in Jerusalem zum Osterfest, Pesach, dem höchsten Fest des Jahres, da die Juden den rettenden Auszug aus der Sklaverei in Ägypten feiern.
Auch Jesus feiert das Paschamahl mit seinen Jüngern in einem eigens dafür hergerichteten Raum im ersten Stock eines Hauses, den der Besitzer bereitwillig den Pilgern aus Galiläa überlässt.
Das Mahl nimmt seinen gewohnten Lauf, nach uraltem jüdischen Ritus. Doch dann geschieht etwas ganz und gar überraschendes. Statt des üblichen Brotsegens bricht Jesus das Brot und sagt: Nehmt, das ist mein Leib. Und am Ende des Mahls nimmt er den Becher mit Wein, und statt des dazu vorgesehenen Segensspruches sagt er: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Unvergessliche Augenblicke, denn es war das letzte gemeinsame Mahl. Gleich danach: Verhaftung, Prozess, Todesurteil, Kreuz, Grab – und der Ostermorgen der Auferstehung.
Jesus hatte ihnen gesagt: Tut das zu meinem Gedächtnis. Und von den ersten Tagen an haben es seine Jünger getan. Immer wieder, besonders am Sonntag, dem wöchentlichen „kleinen Osterfest“, kamen und kommen sie zusammen und tun, was Jesus in dieser unvergesslichen Nacht getan hat: Das ist mein Leib, für euch, für alle Menschen hingegeben!
Seither lebt die Kirche von diesem Brot, das Er selber ist, der nicht aufhört, sein Leben den Menschen zu schenken. Wer das im Herzen, im Glauben annehmen kann, dem ist es ein Bedürfnis, das auch gelegentlich freudig zu feiern und dem zu singen, dessen Brot ich esse