„Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Der Notschrei der Jünger im Seesturm ist uns nicht fremd. Das Schiff droht unterzugehen - und Jesus schläft als wäre nichts. Angst und Panik erfassen selbst die seetüchtigen, erfahrenen Fischer vom See Genesareth - und Jesus scheint ahnungslos und unbekümmert.
Die Situation wiederholt sich in allen möglichen Abwandlungen. Inmitten der Stürme des Lebens scheint Gott oft abwesend zu sein. Wenn Not und Bedrängnis uns an den Rand des Unterganges bringen, ist Christus wie schlafend, als hörte und sähe er nicht, wie es uns geht. In diese Situation hinein spricht das heutige Evangelium, beschämend und tröstlich zugleich.
Der See Genesareth ist bekannt für plötzliche und heftige Stürme. Es wäre nicht das erste Boot, das dabei unterging. Vor einigen Jahren hat man ein solches Fischerboot aus der Zeit Jesu entdeckt. Es ist heute der Stolz des Museums im Kibbuz Kinereth. Die Jünger wussten also genau, in welche Gefahr sie geraten waren.
Dass sie dennoch den Kopf verloren und in völlige Panik gerieten, hat sie nachher sicher beschämt. Denn ihr Meister hatte ihnen doch so viel vom Gottvertrauen gesprochen, und davon, dass sie sich immer in Seiner Hand geborgen wissen dürfen. In den Schrecken des aufgewühlten Sees waren alle diese schönen und frommen Gedanken wie weggeblasen. Übrig blieb nur die nackte Überlebensangst.
Und wie viele solche Seesturmsituationen gibt es im Leben! Wenn es in einer Beziehung nur mehr Konflikt gibt. Wenn die eigene wirtschaftliche Lage an den Rand des Untergangs führt. Wenn einem seelisch der Boden wankt und schwankt.
Wo ist in solchen Stunden Gott? Schläft Er? Hat Er mich vergessen? Was hilft mir jetzt mein Glaube? Ist er vielleicht eingeschlafen? Habe ich, als alles noch so gut ging, ihn einschlafen lassen, den “lieben Gott” vergessen, den Glauben vernachlässigt? Was Wunder, wenn er jetzt, in der plötzlichen Not, nicht wach ist und mir durch die Stürme hindurch hilft. Der Glaube muss, wie jede Haltung im Leben, in guten Zeiten eingeübt werden, um in schlechten wach zu sein. Wenn ich es mir nicht zur Gewohnheit mache, im Glück Gott zu danken, dann werde ich in der Not nicht das Gottvertrauen haben, das mich dann tragen könnte.
Die Szene des Evangeliums ist tröstlich: selbst den Aposteln sind Glauben und Vertrauen in der Stunde der großen Bedrängnis abhanden gekommen - zumindest am Anfang. Jesus hat sie aber aus ihrer Verwirrung herausgeholt. Er bringt den Sturm zum Schweigen. Er stellt ihren Glauben wieder her. Und sie fragen sich beschämt: wann haben wir nicht vertraut? Das nächste Mal werden sie sich daran erinnern. Es wird sicher auch in Zukunft Schwierigkeiten, bedrängende Situationen geben. Gott erspart sie uns nicht. Aber sie wissen: Jesus ist im Boot meines Lebens. Selbst wenn alles verloren scheint, er wird aufstehen und mir beistehen. Mit Ihm bin ich nie verloren. Er ist mein Retter.