Das Murren der Leute ist verständlich. Im kleinen Dorf Kafarnaum am See Genesareth ist einer, der sagt, er sei vom Himmel herabgekommen.
Vielleicht glaubten die Menschen damals, vor zweitausend Jahren, leichter an Wunder als heute. Immerhin hatten sie ja auch ein kräftiges Wunder erlebt: an einem abgelegenen Ort hatte Jesus die riesige Menge – über 5000 Menschen – mit nur fünf Broten und zwei Fischen gesättigt, und das so überreich, dass noch zwölf Körbe an Brotresten übriggeblieben waren.
Das Wunder ist so glaubwürdig von allen vier Evangelien bezeugt, dass ich keinen ernsthaften Grund sehe, daran zu zweifeln. Die Zeitgenossen Jesu haben sicher nicht daran gezweifelt, denn in ihrer Begeisterung über dieses Wunder wollten sie Jesus gleich zu ihren König ausrufen und ihn so zum Anführer der ersehnten Befreiung von den Römern machen.
Jesus aber hat eine andere Absicht. Sein Auftrag ist nicht die politische Befreiung. Er will nicht nur das Brot für den leiblichen Hunger geben, so sehr ihm daran liegt, dass die Menschen, die zu ihm kommen, nicht hungrig weggehen müssen.
Er weiß, von einer anderen Nahrung, die nicht vom Erdboden, sondern „vom Himmel“, von Gott kommt. Das könnte man noch verstehen: wir brauchen ja auch geistige, seelische Nahrung. Das tägliche Brot ist notwendig, aber nicht ausreichend. Wenn die Liebe, der Sinn des Lebens, die Hoffnung fehlen, geht der Mensch seelisch zugrunde. Wir brauchen das Brot der Liebe.
Nicht deswegen protestierten die Leute in Kafarnaum, sondern weil Jesus sagt, er selbst die dieses „Brot vom Himmel“. Er sei „das Brot des Lebens“. Jesus sagt also von sich, dass er die Nahrung sei, die der Mensch brauche, um nicht seelisch zu verkümmern. Wie kann ein Mensch von sich sagen, er sei gewissermaßen „lebensnotwendig“? Hat das nicht schon zu manchen schlimmen Irrwegen geführt? Manche erinnern sich noch wie das ausgesehen hat, als ein Hitler von sich behauptet hat, er bringe das Heil, und als er mit "Heil Hitler!" grüßen ließ. Zu Recht wird vor Gurus und Sektenführern gewarnt, die sich als Heilsbringer verehren lassen.
Jesus ist doch auch nur ein Mensch, so reagieren seine Zuhörer. Wir kennen ihn, wir wissen, wer seine Eltern sind. Diese kritische Haltung ist vernünftig. Man will nicht einem Sektierer auf den Leim gehen, denn an solchen selbsternannten Heilsboten fehlte es damals ebenso wenig wie heute.
Jesus verurteilte diese skeptische Zurückhaltung nicht von vornherein. Er sagt vielmehr: zu mir kommen, an mich glauben, das ist nur möglich, wenn Gott jemanden in seinem Herzen zu mir hinführt. Glauben ist ein Geschenk. An Jesus zu glauben, das geht über unseren Verstand hinaus. Aber es ist nicht unsinnig und unvernünftig. Wer es erfahren hat, kann es bezeugen.
Dieser Tage – in meinem Urlaub – bin ich einem Ehepaar begegnet, die beide in einem Wallfahrtsort eine innere Bekehrung erlebt haben. Sie waren vorher sogenannte „Fernstehende“., nicht ungläubig, aber eher auf Abstand. Sie haben erfahren, was Jesus in diesem Evangelium sagt: das Jesus für sie ganz neu zum „Lebensbrot“ geworden ist. Sein Wort, sein Vorbild, die Gemeinschaft mit ihm haben ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben, eine bisher nicht gekannte Freude. Heute können sie sagen: Ja, so ist es wirklich!