Manchmal befällt mich ein seltsamer Gedanke: Einmal wird auch der geliebte Stephansdom nicht mehr sein. Bitte mich nicht misszuverstehen. Ich wünsche mir, wie wohl wir alle, dass er lange, lange Zeit bestehe. Schon über 850 Jahre ist er alt. Möge er noch 1000 Jahre stehen.
Aber einmal wird alles auf Erden ein Ende haben. „Himmel und Erde werden vergehen.“ Heute sagen uns die Wissenschaftler, dass unser Weltall, dieser unvorstellbar große Kosmos, einmal begonnen hat, vor etwa 14 Milliarden Jahren, und dass er einmal, in Milliarden Jahren, wieder vergehen wird. Unsere kurze Erdgeschichte stellt nur einen winzigen Bruchteil der Dauer des Universums dar.
Sicher ist, dass wir vergehen. Sicher ist, dass die Erde, die Sonne, unsere Galaxis, ja das ganze Weltall, ihre Ablaufdaten haben. Für den Kosmos können die Wissenschaftler ungefähr sagen, wann das sein wird: in einigen Milliarden Jahren. Das berührt uns nicht, weil es so astronomisch große Zeiträume sind.
Für unseren eigenen irdischen Pilgerweg können wir hingegen nicht wissen, wann „der Tag und die Stunde“ kommen werden. Es kann schon heute sein oder erst in Jahren. Sicher ist nur, dass es eines Tages auch für mich so weit sein wird.
Für Jesus ist die Stunde gekommen. Das heutige Evangelium stammt aus den letzten Tagen Jesu in Jerusalem, kurz vor dem Drama der Kreuzigung. Und Jesus spricht zu seinen Jüngern von den „letzten Tagen der Menschheit“, von der Endzeit auf Erden. Aber wann wird das alles geschehen? Steht das Ende schon vor der Tür? Gibt es Zeichen dafür, Warnlichter gewissermaßen, deren Blinken uns darauf hinweist, dass die letzte Stunde gekommen ist?
Jesus selber schiebt einen festen Riegel vor: Niemand weiß die Stunde! Also Schluss mit den Spekulationen über den Weltuntergang! Gott alleine weiß, wann das sein wird. Er allein ist Meister der Zeit und Herrscher über das All. „Alles ist dein Eigentum“ heißt es im „Großer Gott wir loben dich“. Niemand, nicht einmal Jesus selber, kann einen Zeitpunkt angeben. Jesus könnte es, will es aber nicht, weil klar sein soll, dass das allein Gottes Sache ist.
Wenn es so ist, warum sich dann Sorgen machen wegen des Endes? Wir haben es ja sowieso nicht in der Hand. Gewiss, aber wir können zumindest dazu beitragen, im Guten wie im Schlechten. Und zur Zeit sind wir weltweit eifrig daran, zur Verschlechterung beizutragen. Globale Erwärmung, Zerstörung der „Lungen der Erde“, der tropischen Regenwälder, Vergeudung der natürlichen Energiereserven und vieles andere mehr, was zwar nicht zum Weltuntergang führt, aber doch das Leben auf Erden nachhaltig beschädigt.
Den Ernst der Stunde sollen wir erkennen. Schlimmer als die äußere Umweltgefährdung sind die seelischen Verwüstungen.
Es gibt auch den kleinen Weltuntergang, wenn meine Lebenswelt zerbricht, Beziehungen scheitern, Arbeitsplätze verloren gehen. Wie zerbrechlich sind die menschlichen Dinge! Wie gefährdet ist, was so sicher aussieht. Im Herbst erinnert uns alles in der Natur an die Vergänglichkeit. „Meine Worte werden nicht vergehen“, sagt Jesus. An ihm ist Halt.
Wenn alles wankt, bleibt immer noch Er.