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Auftauchen wie neu

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn zum Fest der Taufe des Herrn, 11. Januar 2004, (Lk 3,15-16.21-22)

11.01.2004
© kathbild.at/Rupprecht

Was bewog Jesus zu Johannes dem Täufer zum Jordan hinunterzugehen und sich von ihm taufen zu lassen? Was sollte überhaupt die Taufe? Und warum hat Jesus selber diesen Ritus übernommen, sodass er bis heute ein typisches Kennzeichen der Christen geblieben ist? Und schließlich: Was bedeutet Taufe heute, 2000 Jahre später? Anlass zu allen diesen Fragen ist das heutige Fest "Taufe des Herrn", das die Weihnachtszeit abschließt.

 

Waschungen, rituelle Bäder, Reinigungsriten gibt es in vielen Religionen. Das heilige Bad im indischen Ganges; die so genannte Mikwe, das rituelle Bad im Judentum; die Waschungen im Islam; die Taufe im Christentum: Sie alle haben damit zu tun, dass die körperliche Reinigung auch Symbol für das seelische Frischwerden, für die geistige Erneuerung ist. Wer nach getaner Arbeit, vielleicht verschwitzt und verschmutzt, eine ordentliche Dusche nehmen kann, erlebt, wie erquickend das sein kann.

 

Johannes hat ein ganz bestimmtes Ziel im Auge. Seine Taufe soll Wegbereitung sein. Er weiß im Herzen, dass nach ihm Einer kommen soll, der größer ist als er: der Messias, der Befreier des Volkes. Er will nur auf Sein Kommen vorbereiten. Deshalb rüttelt er die Menschen auf. Seine Predigt ist kein "Mailüftlerl", sie erschüttert, redet ins Gewissen, fordert auf, das eigene Leben zu ändern. Und viele lassen sich zur Umkehr bewegen, kommen zu ihm zur Taufe. Er übergießt sie mit Jordanwasser als Zeichen der Buße und Reinigung.

 

Plötzlich ist auch Jesus da, mitten unter den Menschen, die sich bei Johannes zur Taufe drängen. Was hat er da zu suchen? Buße tun? Seine Sünden bekennen? Sich von diesen reinigen lassen? Wenn es einen gibt, der das nicht braucht, dann ist das Jesus. Was bewog ihn, sein heimatliches Nazareth zu verlassen und wie einer der vielen sündigen Menschen sich die Bußtaufe spenden zu lassen?

 

Ganz am Anfang seiner öffentlichen Tätigkeit setzt Jesus ein Zeichen. Er gibt dadurch zu verstehen, warum er das stille, verborgene Leben eines Zimmermanns aufgegeben hat. Er zeigt, was der Sinn seines neuen Weges ist: Er geht mitten unter die Menschen. Er reiht sich ein die Schar der Sünder, als wäre er einer von ihnen. Er will einer von uns werden, aber nicht um ein armseliger Sünder zu werden wie wir. Für uns wird er einer von uns. Unsere, meine Lasten und Sünden will er tragen. Er nimmt sie auf sich und trägt sie in den Jordan, um sie abzuwaschen. Er verachtet die Menschen nicht, unter die er sich einreiht. Später wird er sagen, er sei nicht gekommen um zu richten, sondern zu retten.

 

Gott bestätigt diesen Weg: Wie eine Taube kommt Gottes Geist auf ihn. Eine Stimme ist zu hören: "So ist es meine Wille, du bist mein Sohn." Der Weg Jesu, den Gott beglaubigt, geht nach unten, zu uns Menschen, unter uns Sünder. Daran hat Gott Gefallen. Dazu ist Jesus gekommen.

 

Aber das Ziel ist nicht, unten zu bleiben. Aus dem Bad taucht man erfrischt auf. Aus der Taufe geht der sündenbeladene Mensch wie neugeschaffen hervor. Ziel der Taufe ist dieses neue Auftauchen. Jesus ist mit uns ins Taufwasser hinabgestiegen um uns mit sich aus unseren Altlasten und Sünden herauszuholen. Das ist der Sinn der Taufe, bis heute. Täglich können wir ihn auffrischen.

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