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Tut, was er sagt

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn zum 2. Sonntag im Jahreskreis, 18. Januar 2004, (Joh 2,1-11)

18.01.2004
© kathbild.at/Rupprecht

Es begann bei einer Hochzeit. Jesus stand ganz am Anfang seines öffentlichen Wirkens. Noch war sein Name nicht bekannt. Seine Krankenheilungen, die ihn weitum berühmt machten, hatten noch nicht begonnen. Erst ein kleiner Kreis von Jüngern hatte sich um ihn gesammelt, unter ihnen Johannes, dem wir den heutigen Bericht verdanken.

 

In einem Dorf nahe Nazareth fand also eine Hochzeit statt. Damals, wie heute noch im Leid geplagten Nahen Osten, ein großes Fest mit vielen Gästen. Unter ihnen Maria aus Nazareth, die Mutter Jesu. Den Sohn und seine Freunde hat man gleich mit dazu eingeladen. Wir haben immer noch viel von der orientalischen Gastfreundschaft zu lernen!

 

Über das Brautpaar wissen wir nichts. Sie dürften arme Leute gewesen sein, sonst wäre der Wein nicht so schnell ausgegangen. Den Gästen nichts anbieten zu können ist eine große Schande. Maria erfasst die peinliche Situation. Sie ist aufmerksam für jede Not. Deshalb kommen bis heute so viele Menschen überall in der Welt zu Maria und bitten sie vertrauensvoll um Hilfe.

 

Was will sie von Jesus? Sie fordert nichts, macht ihm keine Vorschriften, was er tun soll. Sie weist ihn einfach auf die unangenehme Lage der Gastgeber hin, mehr nicht. Ihre Zurückhaltung ist bewundernswert. Sie hätte ihn ja auch bedrängen können: Tu was, hilf den Leuten! Nichts dergleichen. Maria achtet die Freiheit ihres Sohnes. Darin ist sie uns ein großes Vorbild.

 

Jesus scheint eher barsch zu reagieren: "Was willst du von mir, Frau?" Das klingt gar nicht freundlich. Er nennt sie nicht "Mutter", sondern "Frau", fast als wäre sie eine Fremde. Ist es die so häufige Abwehr, sich  nicht "bemuttern" lassen zu wollen? Markiert Jesus deutlich den Abstand zu ihr, jetzt, da er aus dem Elternhaus weggezogen ist, um seinen Weg zu beginnen, zu dem er sich berufen fühlt? Für Maria sicher kein leichter Moment, so eine Antwort zu bekommen!

 

Aber Jesus hat seine Gründe, warum er die Mutter zurückweist: "Meine Stunde ist noch nicht gekommen." Noch ist es für ihn nicht der Moment, sich öffentlich durch Zeichen und Wunder zu zeigen. Ja er sieht wahrscheinlich seinen Auftrag gar nicht zuerst darin. Er will nicht, dass die Leute ihm wegen Heilungen und Wundern nachlaufen. Er will, dass wir umkehren, umdenken, unser Leben ändern. Er sucht den Glauben, nicht die Bewunderung.

 

Aber Maria lässt sich nicht abbringen. Sie bleibt dabei, dass dem Hochzeitspaar in seiner Notlage geholfen werden muss. Und so vertraut sie, dass Jesus es schon tun wird. "Tut, was er euch sagt", bittet sie die Diener. Und Jesus lässt sich von diesem Vertrauen bewegen. Sechshundert Liter Wasser wandelt er zu köstlichem Wein, mehr als genug für eine große Hochzeitsgesellschaft.

 

Was will Jesus uns mit diesem ersten Wunder sagen? Zuerst, dass er Freude an der Freude hat. Sonst wäre er nicht zu einem Hochzeitsfest gekommen. Dann, dass auch die ganz alltäglichen materiellen Sorgen sein Herz berühren. Nicht immer löst er sie so schön wie bei der Hochzeit vom Kana.

 

Aber das Wunder der Wandlung kann er immer wirken, wenn er das Wasser unseres Alltags durch den Glauben in den Wein der Hoffnung und der Freude wandelt. Nur müssen wir das unsere dazu tun: Marias Rat und Bitte befolgen: Tut, was Er euch sagt!

 

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