Spricht das Evangelium zu allen Menschen oder nur zu einer kleinen Schar von "Auserwählten"? Diese Frage stellt heute Petrus an Jesus. Verständlicherweise. Denn es kann doch schwerlich für alle Menschen gelten, dass ihre Habe verkaufen und den Erlös den Armen geben sollen. Wen sollten sie ihr Habe verkaufen, wenn alles das täten? Wir bewundern einen hl. Franziskus von Assisi, der das tat, vielleicht einem hl. Dominikus, seinen Freund, den Gründern des Dominikanerordens (Dem ich angehören darf und dessen Fest die Kirche heute feiert). Solche Menschen sind zu bewundern, aber ihr Weg kann nicht für alle der Weg sein.
Evangelium also für die "Kleinere Herde", für eine Elite von besonders Frommen und Heiligen? Jesus antwortet auf die Frage des Petrus nicht direkt. Als wollte er ihm sagen: Kümmere dich nicht um die Frage, für wie viele Menschen das Evangelium gilt. Höre auf meine Worte und frage dich, ob sie dich persönlich treffen, ob sie für dich zutreffen!
Nicht alle sind wie Franziskus und Dominikus berufen, alles zu verkaufen, um Jesus arm, bettelarm nachzufolgen. Aber gilt nicht für mich persönlich die Kritische Frage Jesus: wo ist dein Schatz? Wo sind die Werte, die dein Leben bestimmen? In den Aktienkursen, die morgen schon tief unten sein können? In der Gesundheit, die etwas überaus Kostbares, aber nicht ewig Bleibendes ist?
Macht euch einen Schatz im Himmel! Das ist ein Wort, an dem kein Mensch vorbeikann. Die Antwort kann ich auf niemand anderen abschieben. Was steht in meiner Lebensbilanz auf dem himmlischen Konto? Nur das kann ich bei der letzten Abrechnung mitnehmen. Was habe ich vor Gott vor zu weisen?
Was folgt aus dieser einfachen Frage? Wie muss ich es anstellen, dass ich den Schatz am
richtigen Ort anlege, wo keine Motten ihn fressen, kein Dieb ihn rauben kann? Jesus antwortet wie sooft mit einem Gleichnis, genauer mit zwei Gleichnissen, die dasselbe Thema beleuchten. Er spricht von den Hausknechten, die auf die nächtliche Rückkehr ihres Herrn warten. Und vom Hausverwalter, dessen Herr unerwartet zurückkommt. Wie wird er die Knechte vorfinden, schlafend oder wachend? Wie wird es den Verwalter antreffen, um sein Haus besorgt oder schlampig und nur an seinen Vorteil und sein vergnügen denkend?
Beide Gleichnisse haben dies eine gemeinsam: wir sind nicht Herren im Haus unseres irdischen Lebens. Wir sind Verwalter, nicht Eigentümer. Das Leben ist uns anvertraut, es ist nicht unser Besitz. Der gute Verwalter braucht nie das Kommen des "Chefs" zu fürchten. Wenn wir unser Leben als von Gott geschenkten Auftrag betrachten, dann brauchen wir auch die letzte Stunde nicht zu fürchten.
Gilt das Evangelium Jesu nur einer "kleine Herde" oder allen Menschen? Will Jesus nicht, dass möglichst viele, ja alle zu seiner Herde gehören? Zweifellos! Nicht alle sind wie Dominikus gerufen, alles zu verlassen. Aber alle sind gerufen, alles loszulassen, nichts ängstlich festhalten zu wollen. Einmal müssen wir alle alles lassen. Wenn wir gute Verwalter waren, werden wir diese Stunde nicht fürchten. Denn unser Herz hat schon lange den wahren, bleibenden Schatz gefunden.