Was war am Anfang? Die Wissenschaft spricht vom "big bang", dem "Urknall". Vor etwa 14 Milliarden Jahren soll er sich ereignet haben. In unvorstellbar kurzer Zeit, in Bruchteilen der allerersten Sekunde, soll sich eine unermessliche Menge Energie gebildet haben, die sich zu den unfassbaren Massen der Materie des Universums verdichtet hat, aus der die Milliarden von Milliarden von Galaxien entstanden, die heute den Kosmos bilden.
Der große österreichische Physiker Walter Thirring schreibt im Blick auf diesen Uranfang: "Und das sollte durch Zufall geschehen sein, was für eine absurde Idee!" (Kosmische Impressionen. Gottes Spuren in den Naturgesetzen, Wien 2004, 49).
Nein, ganz entschieden Nein! Im Anfang war nicht der Zufall, sondern der Sinn, das Wort. Am Anfang steht nicht eine gigantische Explosion, sondern ein wunderbarer Plan. Mehr noch: Im Uranfang von allem steht das unvorstellbare Geheimnis der Liebe, das wir ehrfurchtsvoll Gott nennen dürfen. Es steht am Anfang von allem. Es ist der Ursprung der Welt und der Urquell des Lebens.
Am heutigen Weihnachtsfest lenkt die Heilige Schrift unseren Blick auf einen doppelten Anfang: einen unscheinbaren, armseligen Beginn in einer Grotte, die als Stall diente, in einem armen Flecken eines kleinen Landes, am Rand der großen Reiche und ihrer Wichtigkeiten. Im Dorf Bethlehem im Land Juda ist aus der verarmten Nachkommenschaft des Königs David ein Kind geboren, ein Sohn, der den damals nicht seltenen Namen Jeschua, Jesus, erhielt.
In den meisten Ländern der Welt gilt dieses Ereignis als Anfang der heute gängigen Datumszählung. Wir leben im Jahr 2004 "nach Christi Geburt". Der Anfang in Bethlehem war arm und bescheiden, aber er bedeutet den Beginn einer neuen Zeit, die große Wende. Warum das so ist, das leuchtet das heutige Evangelium aus. Es macht verständlich, warum wir zu Recht die Geburt Christi im Kalender als die Zeitenwende zählen.
Der Apostel Johannes richtet unseren Blick über das Geschehen in der Geburtsgrotte von Bethlehem hinaus, bis zum ersten Ursprung selbst: "Im Anfang war das Wort." Was Weihnachten so groß macht, zur weltgeschichtlichen Wendestunde, wird erst sichtbar im Blick auf diesen Uranfang. Gott war nie allein. Immer war sein Wort bei Ihm, Er ist ewig Gemeinschaft; Gott, Wort und Geist; Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und nichts, gar nichts von all dem, was geworden ist, entstand durch Zufall. "Alles ist durch das Wort geworden." Alles trägt sozusagen Seine Handschrift, hat Sinn und Bedeutung, hat Ursprung und Ziel in dem Gott, der Gemeinschaft und Liebe ist.
Dieses Wort, das Licht und Leben der Menschen ist, Ursprung, Sinn und Ziel von allem, ist selber Mensch geworden. "Das Wort ist Fleisch geworden." Dass der Sinn von allem sichtbar, greifbar, "Fleisch" geworden ist, das ist der Grund, warum wir zu Recht die Jahre seit Seiner Geburt zählen. Alles, vom "Urknall" bis zum kleinsten Ereignis meines Lebens, hat in Ihm seinen Sinn: "Aus Seiner Fülle haben wir alle empfangen." Unerschöpflich ist dieser Ursprung, nie endet Seine Liebe.