Almosen, Beten, Fasten: Diese drei empfehlen alle Religionen. Besonders im Judentum, im Christentum und im Islam gelten sie als Wege der Erneuerung, der Läuterung und des gläubigen Lebens. Jesus spricht von ihnen in seiner „Grundsatzrede“, der Bergpredigt. Er greift damit auf, was Moses und die Propheten vor ihm gelehrt haben. Der Koran hat diese drei Vollzüge nachdrücklich empfohlen.
Jesus gibt ihnen aber eine besondere Note. Wie keiner vor oder nach ihm will er, dass das alles getan wird, aber ohne davon viel Aufhebens zu machen. Mit aller Schärfe und Entschiedenheit mahnt er, das alles solle „im Verborgenen“ geschehen. Keine Schaustellung, kein Gutes Tun, umgesehen zu werden, vor allem keine Heuchelei. Seine Worte sind wie die Geiselstricke, mit denen er die Händler aus dem Tempel verjagt hat. Alles Schielen auf das Lob der Menschen, alles Theatralische, alle Selbstinszenierung soll aus unseren Herzen und aus unserem Leben verjagt, unerbittlich bekämpft werden.
Jesu Worte sind ein Beichtspiegel, eine Aufforderung zur Gewissenserforschung zu Beginn der Fastenzeit. Ich soll nicht schauen, wo die anderen heucheln und ihr Gutsein zur Schau stellen, sondern wie es bei mir selber steht. Nicht an die Brust des Nächsten soll ich schlagen, sondern an meine eigene.
In meiner Brust regt sich Protest gegen diese allzu strenge Haltung Jesu. Hat er nicht selber gesagt: „Euer Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“. Ja, das hat Jesus gesagt. Er hat aber nicht gesagt, dass wir herumstolzieren sollen, um allen zu zeigen, wie hell unsere guten Taten leuchten. Sie sollen leuchten, nicht, weil wir uns mit ihnen wichtig machen, sondern weil sie von sich aus leuchten.
Sie leuchten umso heller, je selbstloser sie getan werden. „Deine linke Hand soll nicht wissen, was deine rechte tut.“ Wichtig ist die gute Tat, nicht die „Seitenblicke“, die darüber berichten. Wenn bei unseren guten Taten der - berechtigte - Eindruck entsteht, wir täten dies nicht, um einfach zu helfen, wo Not ist, sondern damit wir gesehen und gelobt werden, dann ist schon der Wurm in der Frucht. Es wird geradezu verletzend, wenn die, denen wir helfen, das Gefühl haben müssen, wir täten dies nur, um als gut zu gelten und gelobt zu werden. Schön ist nur die selbstvergessene Tat. Echt ist nur das Gebet, das sich in Gott versenkt und nicht auf das Lob der Menschen hinschielt.
Aber wie kommen wir zu dieser „Selbstlosigkeit“? Wie können wir uns gegen den alles verderbenden Wurm der Heuchelei schützen? Jesus macht klar, dass das nicht ohne Kampf, ohne „Training“ und Übung möglich ist. Selbstüberwindung ist erforderlich. Dazu dient die Fastenzeit. Dazu soll das Fastenopfer helfen. Hier einige einfache „Trainingsanleitungen“:
- Ich spreche gerne über das Gute, das ich tue. Also versuche ich, mir diesbezüglich ein Fasten aufzuerlegen.
- Ich versuche, wirklich zu fasten, das heißt, zum Beispiel auf Lieblingsspeisen zu verzichten oder einfach weniger zu nehmen, wenn ich Lust auf mehr hätte. Die Beherrschung des Leibes hilft mir, auch seelisch beherrschter zu sein und die „Ich-Sucht“ zu bekämpfen.
- Ich versuche, wirklich zu beten, aber nicht vor den anderen, sondern „im stillen Kämmerlein“, wo ich ganz alleine bin, wo ich niemandem etwas vormachen kann. Hier bin ich mit Gott alleine. Hier ist Er mir nahe. Hier bin ich einfach ich selber, so wie ich vor Gott bin. Vor Ihm werde ich nicht heucheln. Ganz ehrlich und einfach vor Gott sein: Das tut der Seele gut. Das hilft, auch untereinander weniger Theater zu spielen.
Fastenzeit: Das ist eine Schule der Freiheit. Um frei zu werden von mir, für Gott und die anderen.