Mit dem 15. August bricht der Sommer. Fast jedes Jahr bestätigt sich diese uralte Erfahrung. Die Tage werden spürbar kürzer, die große Hitze (die heuer besonders heftig war) ist vorbei. Ein Anflug von herbst ist schon zu ahnen. Auf den Wiesen und Feldern erscheinen die feinen Fäden des "Altweibersommers". Es kann noch sehr heiß werden, aber nicht mehr die Glut des Hochsommers. Spätsommerlich, frühherbstlich das Wetter - und auch die Stimmung.
Eine Wende ist der "große Frauentag" auch im seelischen Leben. Für den Glauben ist er ein Abschied und ein Anfang. Maria, die Mutter Jesu, geht heim. Sie ist, so sagt die Sprache des Glaubens, "entschlafen", sanft und ohne Gewaltsamkeit des Todes hinübergegangen, hinauf zu Christus, dem "Erstgeborenen von den Toten". Sie ist im Himmel. Ganz, nicht nur mit der Seele. Sie hat kein Grab auf Erden, und nie wusste man von einer Begräbnisstätte Marias. Denn sie ist auch mit ihrem Leib heimgegangen, heimgeholt von ihrem Sohn, der für uns alle eine Wohnung bereitet hat. Hoffentlich finden wir den Weg dorthin. Sie will uns helfen, sie wird uns helfen!
Der Weg hinüber ist gefahrvoll. Viel zu wenig wird davon gesprochen. Die Lesung vom heutigen Festtag aus der "geheimen Offenbarung" des Johannes, spricht in mächtigen Bildern von einem Kampf, der Himmel und Erde bewegt. Welche Mächte sind da im Spiel? Nicht die Armeen der Großen dieser Welt. Nicht sie entscheiden die letzten Schlachten. Auch nicht die großen Wirtschaftsmächte. Und erst recht nicht die Medien mit all ihrem Einfluss.
Eine Frau spielt die Hauptrolle. Der Seher Johannes nennt sie "ein großes Zeichen". Eine schwangere Frau! Ja, welch ein Zeichen! Was ist mächtiger und größer, um Leben zu geben, als die Wehrlosigkeit der Schwangeren? Sie allein trägt die Zukunft der Welt. Keine Bank, keine Fabrik, kein Panzer wird je ein Kind gebären. Und damit das Leben mit all seinen Verheißungen. Nur eine Frau!
Die eine, die am Himmel sichtbar wird, ist die Mutter aller Hoffnung. Sie trägt in ihrem Schoß die Hoffnung der Welt. Deshalb umgibt sie der ganze Kosmos, die Sonne, der Mond und der Kranz von zwölf Sternen. Möge die EU nie vergessen, dass ihre Fahne die zwölf Sterne trägt, die Maria umgeben!
Ihr Gegenspieler sind wieder nicht die Mächte dieser Welt, sondern es ist "der Drache". Er verkörpert alles, was gegen Gott und das heißt immer auch gegen das Leben steht. Er will verschlingen, zerstören, zermalmen. Und er tut es. Wir sehen es täglich. Wir müssen uns täglich entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen - auf ihrer Seite, auf der des Lebens oder auf seiner, der des Todes. Denn die große Schlacht wird nicht auf den Kriegsschauplätzen der Waffen und der Börsenkurse geschlagen, sondern in meinem eigenen Herzen. Dort entscheidet es sich, ob der Hass oder die Liebe siegt, der Drache oder die Schwangere mit den zwölf Sternen. Wer sich auf ihre Seite stellt, findet mit ihr Zuflucht "in der Wüste", im Schutz Gottes.
15. August. Die Nächte werden länger. Einmal kommt auch für uns die Stunde des Heimgangs. "Unter deinem Schutz und Schirm", Maria, brauchen wir den Herbst unseres Lebens und Sterbens nicht zu fürchten. Du wartest auf uns. Du bist schon daheim. Du hast schon gesiegt. Auch für uns, die wir deine Kinder sein dürfen.