Die Geschichte vom "verlorenen Sohn" gehört zu den bekanntesten Gleichnissen Jesu. Und sicher zu den berührendsten. Wen Jesus mit dem Vater meint, der geduldig wartet, ist jedem klar: Er spricht von Gott und Seiner unfassbaren Barmherzigkeit. Aber wer sind die beiden Söhne?
In beiden kann ich etwas von mir selber finden. Jesus will, dass ich mich ehrlich anschaue. Bin ich in meinem Leben mehr dem jüngeren oder eher dem älteren Bruder ähnlich?
Wie geht es dem Jüngeren? Er will seine Freiheit, seine Unabhängigkeit. Er will seinen Erbteil genießen, ohne Verantwortung. Eine ganz moderne Versuchung. Ein Beispiel: Die Welt hat uns Gott der Schöpfer gegeben. Wir aber wollen sie genießen, nur für uns haben. Wir verprassen unser Erbteil, die Umwelt, die wir eigentlich bewahren sollten. Werden wir umkehren und uns wieder daran erinnern, dass es einen Schöpfer gibt, unseren Vater, der uns diese Welt zum Hegen, nicht zum Verwüsten geliehen hat?
Ist der jüngere Bruder nicht ein Bild unseres Elends eines gottfernen Lebens? Selbst wenn es uns materiell gut geht, ohne Ihn sind wir "fern der Heimat", die Seele hungert nach Sinn. "Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen."
Aber wie wird Gott mich aufnehmen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Er mir nicht böse ist. Wie stellen wir uns Gott vor? Meist anders, als Jesus Ihn uns zeigt. Dass Er so anders ist als wir denken, das ist Jesu wichtigste Botschaft: Er wartet auf dich! Er will dir nichts Böses! Du bist ja Sein Kind! Was immer du angestellt hast!
Und der Ältere? Er ist der Typ des anständigen Menschen: "Ich habe niemanden umgebracht, habe nichts gestohlen, habe immer fleißig gearbeitet, treu meine Kirchensteuer gezahlt und meine Spende gegeben." Ja, alles das ist gut und schön.
Aber warum bist du so griesgrämig? Warum verachtest du deinen Bruder, der im Leben viel verhaut hat? Warum freut es dich nicht, dass Gott die Verlorenen sucht und sich über ihre Rettung freut? Sie sind doch Menschen wie du, deine Brüder, die Gott liebt und rettet. Freu dich darüber und verurteile die nicht, die so weit weg waren. Sei froh, dass du nie in die Not der Gottferne gekommen bist.