Wenn ein Ehemann seiner Frau sagt: „Was hat deine Tochter wieder einmal angestellt“, dann weiß man, was es geschlagen hat. Genau um das geht es in dem berühmten Gleichnis vom „verlorenen Sohn“. Papst Benedikt, nennt es in seinem Jesus-Buch, das „vielleicht schönste Gleichnis Jesu“. Eigentlich sollte es „das Gleichnis von den zwei Brüdern“ heißen.
Als der Ältere von der Feldarbeit heimkehrt und Musik und Tanz hört und man ihm erklärt, dass sein jüngerer Bruder heimgekehrt ist, der sein ganzes Erbteil verjubelt hat, da wird er wütend. Er will nicht ins Haus kommen. Dem Vater sagt er voller Zorn: "Deinem Sohn, der dein Vermögen mit den Dirnen durchgebracht hat, bereitest du ein Fest!"
Er nennt ihn „dein Sohn“ und nicht „mein Bruder“. Er will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Schlimm genug, dass der zu Lebzeiten des Vaters sein Erbteil gefordert hat. Ärgerlich genug, dass der Vater ihm sein Erbteil auch wirklich ausbezahlt hat. Unverschämt aber ist es, dass dieser Kerl es wagt, wieder nach Hause zu kommen. Der Gipfel schließlich ist es, dass der Vater ihm ein Fest bereitet
„Dein Sohn!“ Trotzig wirft er dieses Wort dem Vater hin. Doch der Vater erinnert ihn, dass er trotz allem, was geschehen ist, immer noch sein Bruder ist: „Wir müssen uns doch freuen! Dein Bruder war verloren und ist wieder gefunden worden“. Das ganze Drama dieses Gleichnisses liegt in diesen Worten: „Dein Sohn“ - „dein Bruder“. Das ist Jesu Botschaft: er bleibt dein Bruder, auch wenn er noch so viel angestellt hat. Sei doch froh, dass du nicht das Elend der Fremde, die Schande eines verjubelten Lebens zu tragen hast. Sei dankbar, dass du zu Hause geblieben bist: Alles, was mein ist, ist doch auch dein!“
Der gefallene Bruder ist immer noch Bruder. Freue dich, dass er heimgefunden hat, statt zu kritisieren, dass er weggegangen war. „Dein Bruder war tot und lebt wieder“, sagt der Vater fast beschwörend zu seinem älteren Sohn. Was er erlebt hat, war so schlimm wie ein Tod. Er hat geglaubt, die Freiheit zu finden und ist ins Elend geraten. Er wollte das Leben auskosten, ohne Bindungen, Spaß haben, aus vollen Zügen genießen. Herausgekommen ist ein gebrochener Mann, der sich an eine ferne Zeit erinnert, als es ihm bei seinem Vater noch gut ging.
Es geht wirklich um die beiden Brüder: Freuen sich die Frommen über die Heimkehr der Verlorenen? Jesus freut sich, wie der Vater im Gleichnis. Das ist sein großes Anliegen: dass wir heimfinden ins Vaterhaus. Dafür ist er bereit, alles zu verzeihen, alle unsere Irrwege zu vergessen.
Wie hat der ältere Bruder sich schließlich verhalten? Hat er verziehen und mitgefeiert? Jesus lässt das offen. Denn die Antwort müssen wir selber geben!