Wer kennt den Kummer nicht: der Garten mag noch so schön sein. Das Unkraut wächst dennoch.
Jesus aber scheint das nicht zu bekümmern: „Lasst beides wachsen!“ Seltsamer Rat! Wird das Unkraut nicht die gute Saat ersticken? Könnte man nicht bessere Methoden entwickeln, um gegen das Unkraut zu kämpfen? Hat die Entwicklung der modernen Landwirtschaft nicht gezeigt, dass mit der Chemie all das Unkraut ausgerottet werden kann? Ja, aber mit welchen Folgen! Vergifteten Böden, vergiftetem Grundwasser, Langzeitfolgen, die viel zu wenig erwogen wurden.
Aber Jesus wollte nicht einen Kurs in landwirtschaftlichen Methoden geben. Er sprach von einem anderen Unkraut: dem, das in unseren Herzen, in unseren Köpfen, in der Gesellschaft wächst. Er spricht vom Bösen und seinem Wachsen neben dem Guten, überall. Und er nennt die Ursache des Bösen beim Namen: „ Der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel“.
Warum erlaubt Jesus nicht, das Böse auszurotten? Ist er zu tolerant? Traut er sich nicht, dagegen anzukämpfen? Sicher nicht! Sonst hätte er nicht sein Leben für das Gute eingesetzt, bis zum Tod am Kreuz. Nein, es ist eine andere Sorge, die Jesus bewegt: Gut und Böse sind zwar zu unterscheiden. Unkraut bleibt Unkraut. Aber sie lassen sich nicht immer so fein säuberlich trennen, wie wir es uns oft wünschen. Manche Fanatiker wollen das Böse mit Stumpf und Stiel ausrotten – und bringen dabei gleich viele Unschuldige mit um.
Bekämpfe das Böse in dir selber! Überlasse das Urteil Gott, der dich und deinen Nächsten einmal richten wird. Er wird das Unkraut vom Weizen trennen! Wie viel Lieblosigkeit und Hartherzigkeit geschieht im Namen der Moral! Weil wir uns anmaßen, den Richter zu spielen.
Aber Jesus hat noch einen anderen Grund, davor zu warnen, dass wir uns als die fanatischen Unkrautvernichter im Leben der anderen gebärden. Die beiden kleinen Gleichnisse vom Senfkorn und von der Germ, von der Hefe erklären die Einstellung Jesu. Das Senfkorn ist winzig klein – und wächst zu einer großen Staude heran. Ein bisschen Germ genügt, um den ganzen Teig zu heben. So ist es mit dem Guten. Unscheinbar und klein, aber voller Kraft! Das Unkraut ist spektakulär, das Böse macht viel Lärm. Darum scheint es so mächtig. Darum wollen wir es energisch ausreißen. Anders das Gute. Es macht keinen Lärm und wirkt oft ohnmächtig. Aber es hat viel mehr Kraft als das Böse. Weil auf seiner Seite das Leben ist, die Hoffnung, die Zukunft.
Jesus lehrt in diesen drei Gleichnissen das Vertrauen in das Gute. Gottes Reich wächst trotz allem Bösen. Ja sogar durch alles Böse hindurch. Letztlich wird es siegen. Uns wird es nie ganz gelingen, mit dem Unkraut fertig zu werden. Aber eines haben wir schon zu tun: es wenigstens nicht selber auszustreuen – durch böse Gedanken, Worte, Taten. Dafür dürfen wir kämpfen, ganz entschieden!