Der Kampf um den 8. Dezember geht weiter. Feiertag oder Shopping - Tag? 1955 haben unsere Landsleute in der größten Volksabstimmung der 2. Republik die Wiedereinsetzung des von den Nazis abgeschafften Feiertags gefordert. Vor einigen Jahren wurde derselbe Feiertag auf dem Altar des „Weihnachtsgeschäfts“ erneut geopfert. Nicht mehr die Nazis haben ihn abgeschafft, sondern der Wahn des Wirtschaftswachstuns. Heute stehen wir vor dem Scherbenhaufen dieses „immer mehr“, „immer größer“, „immer schneller“.
Einige haben es gewagt, hier einen Gegentrend zu setzen. Sie lassen heute die Geschäfte geschlossen. Sie wollen ihrem Personal einen freien Tag nicht nehmen. Sie haben verstanden, dass wir „Ruhezonen“ im Leben brauchen, gerade im Advent. Zeiten der Besinnung.
Besinnung auf den Sinn des Festes! Neun Monate vor Maria Geburt (8.September) erinnert die Kirche an die Empfängnis Mariens durch ihre Eltern Joachim und Anna. Diese Empfängnis nennt die Kirche die „unbefleckte“, lateinisch die „immaculata conceptio“. Missverständlich und oft missverstanden. Maria wurde „ganz normal“ empfangen, wie wir alle, durch die Vereinigung ihren Eltern. Warum „unbefleckt“? War unsere, meine Empfängnis „befleckt“?
In einem sehr ansprechenden neuen Büchlein von Veronika Prüller–Jagenteufel („Den Weg zur Krippe weitergehen“, 2008) fand ich eine mir hilfreiche Deutung. Sie erinnert, dass der Titel unseres heutigen Festes „immaculata conceptio“ nicht nur auf die Empfängnis eines Kindes hinweist, sondern auch auf das Wort „Konzept“ im Sinne von Begriff, Entwurf, Modell. So hoffen wir etwa, dass die neue Regierung ein gutes Konzept hat, ein sinnvolles Programm. So sprechen wir von einem gelungenen Modell, einem brauchbaren Entwurf.
Maria – ein gelungener Entwurf, ein geglücktes Modell des Menschseins! So könnten wir mit Veronika Prüller–Jagenteufel den Sinn dieses Festes beschreiben. Die Lesung aus dem ersten Buch der Bibel, die Geschichte vom „Sündenfall“ von Adam und Eva, erinnert uns an einen missglückten Entwurf, an ein zerbrochenes Lebenskonzept. Hier wird ein Zustand geschildert, wie wir ihn nur zu gut kennen. Adam versteckt sich vor Gott, weil sein Gewissen ihn plagt. Er schämt sich und glaubt nun, Gott sei ihm böse, ja Gott sei böse auf uns Menschen. Diesen Gott beschuldigt er: Du hast mir die Frau gegeben, die mich verführt hat! Statt sich zu entschuldigen, beschuldigt er Gott und die Welt. Und so geht`s bis heute weiter.
An diesem misslungenen Konzept leiden wir alle. Ständig dreht sich das Karussell von Beschuldigen (der anderen) und Entschuldigen (sich selber). Denn alle sehnen wir uns nach einem gelungenen, glücklichen Lebenskonzept.
Von Maria glauben wir, dass sie „das geglückte Modell“ ist. Gott hat sie von Anfang an zu einem freien Geschöpf gemacht, frei von der Selbstbezogenheit, mit der wir alle zu kämpfen haben, frei von der „Erbsünde“, frei für Gott und für die Menschen. Was nicht heißt, dass sie frei von Leid und Kummer war. Sie hatte im Leben viel zu tragen, und sie war bereit dazu. Deshalb haben so viele Menschen Zutrauen zu ihr. Sie vertrauen ihr ihre Sorgen und Lasten an. Sie spüren bei ihr Verständnis, nicht Verurteilung, Zuwendung, nicht Zurechtweisung. Maria ist einfach ein wunderbares Geschenk Gottes an die Menschen, ein „Glücksfall“ für uns oft so bedrängte Menschenkinder.