Es gibt kaum ein anderes Ereignis, das eine solche Tragweite für die Anfänge der Kirche hatte, wie die Bekehrung des Paulus auf dem Weg nach Damaskus. Am 25. Jänner gedenkt die Kirche dieses großen Augenblicks.
Im Paulus-Jahr aus Anlass des 2000. Geburtstages wird viel über ihn gesprochen, veröffentlicht, diskutiert. Wer war er? Welche Rolle spielte er für das erste große Wachstum der Kirche?
Manche Vorurteile über ihn gehen um. So wird er als frauenfeindlich verschrien, weil er, in einer ganz bestimmten Situation gesagt hat, die Frauen sollten in der Kirche schweigen. Man wirft ihm Fanatismus und übergroße Strenge vor. Er habe Feindschaft zwischen Juden und Christen gesät. Wer war Paulus?
Ein Jude, dem die Eltern den hebräischen Namen Schaul, Saul gegeben haben. Aber zugleich ein römischer Bürger, der in der griechischen Kultur aufgewachsen war. Ein Mensch, der „Bürger zweier Welten“ war: in der jüdischen Tradition in Jerusalem, beim berühmten Gamaliel erzogen, und zugleich ganz zu Hause in der „profanen“ damaligen Welt, in der er mit dem griechischen Namen Paulus genannt wurde. Für heute ein großes Vorbild: ganz in der Welt des Glaubens und zugleich in der „weltlichen“ Welt zu leben - und so anderen die Brücke zu bauen, zum Glauben.
Leidenschaftlich war er immer schon, zuerst für den Glauben seiner jüdischen Herkunft, dann in der Verfolgung der Anhänger Jesu, die er für Sektierer hielt. Bis etwas wirklich Umwerfendes in seinem Leben geschah. Es fing damit an, dass einige besonders Eifrige einen der Anhänger Jesu, den Stephanus, steinigten. Paulus war dabei und stimmte diesem Justizmord zu. Aber da war etwas Unvergessliches, das den gesetzesstrengen Saul nicht mehr losließ. Warum war dieser Stephanus so strahlend? Kein finsterer Fanatiker, sondern klug, gescheit und vor allem von so viel Liebe erfüllt.
Als Saul dann auf dem Weg nach Damaskus war, um auch dort die Anhänger Jesu zu verfolgen, , da geschah die umstürzende Wende: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ - „Wer bist du, Herr?“ - „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“
Alles war anders geworden. Jesus war ihm nicht mehr der Gotteslästerer aus Galiläa, sondern sein Ein und Alles, sein Leben! „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn“, wird er von jetzt an sagen. Er, Jesus, der Sohn Gottes, „hat mich geliebt und sich für mich hingegeben“, sagt Paulus, immer neu staunend über die Liebe, der er begegnet ist. Nein, er ist kein finsterer Eiferer. Ihn hat die Liebe Christi ergriffen. Ist es etwa Zufall, dass der schönste Text der Bibel über die Liebe, das Hohelied der Liebe, von ihm stammt?
Paulus, „Feuer für eine müde Kirche“, so nennt ihn Pater Sporschill. Wie recht er hat!