Das Evangelium vom „reichen Jüngling“ ist zu einem Symbol für einen Menschen geworden, der den Sprung nicht wagt und letztlich über sich enttäuscht und traurig zurückbleibt. Wie so oft ist auch diese Szene des Evangeliums ein Spiegel. Es tut uns gut hineinzuschauen.
Der junge Mann beeindruckt durch seinen Eifer. Er wirft sich vor Jesus auf die Knie und redet ihn mit Begeisterung an: „Guter Meister!“ Vielleicht ein bisschen zu viel Begeisterung. Jesus dämpft ihn herb. Er mag keine Schmeichelei. Trocken erinnert er den Mann daran, dass Gott alleine gut ist. Bei uns Menschen ist es immer ein Gemisch von Gut und Böse. Nicht bei Jesus, der Gott und Mensch ist. Aber bei uns anderen. Keiner ist einfach nur gut.
Auch die so fromme Frage des Mannes: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ findet kein begeistertes Echo bei Jesus: Du weißt es genau, was du zu tun hast, damit dein Leben hier auf Erden und nach dem Tod im Himmel gut gelingt: „Du kennst doch die Gebote!“ Halte die Gebote, und sie werden dich halten! Jesus hat also das stürmische Auftreten des jungen Mannes kräftig zurechtgestutzt.
Ich denke, das trifft auch heute noch zu. Vielleicht waren wir, die Älteren, zu denen ich mich zähle, in jungen Jahren auch schnell begeistert, mit viel Emotion, mit dem Eifer, „Bäume auszureißen“ und Tolles zu machen. Die etwas nüchternen Bemerkungen der Älteren sind dann schnell zur Hand: Sie holen uns auf den Boden der Wirklichkeit herunter.
Aber dann ist Jesus doch berührt von dem Eifer dieses jungen Mannes. Er meint es ehrlich, wenn er sagt, er habe von Jugend an Gottes Gebote gehalten. Und Jesus glaubt es ihm. Er sieht ihn liebevoll an, schaut tief in sein Herz und läd ihn ein, einen neuen, wirklich wagemutigen Schritt zu tun: Lass alles los, gib alles weg und komm mit mir, folge mir nach in völligem Gottvertrauen.
Da ging der junge Mann traurig weg, „denn er hatte ein großes Vermögen“. Weg ist die Begeisterung, zu schwer fällt ihm das Loslassen. So bleibt er bei seinem Vermögen, aber ohne Freude. Er hat die Chance nicht ergriffen, sich auf den Weg Jesu einzulassen.
Wie viele solche „reiche Jünglinge“ gibt es heute! Wir wundern uns, dass es bei uns nicht genug Nachwuchs für die Nachfolge Jesu als Priester, als Ordensfrauen, Mönche gibt. Es ist schwer, den gewohnten Wohlstand aufzugeben. Es fällt sehr schwer, die eigene Freiheit und Ungebundenheit loszulassen um sich ganz für den Dienst Jesu, für Gott und den Nächsten, binden zu lassen. Und so gibt es nicht wenige traurige Menschen bei uns, die wohl den Ruf gespürt hätten, den Sprung aber nicht gewagt haben.
Diese nennt Jesu „die Reichen“, für die es so schwer ist, ins Reich Gottes zu gelangen. Denn das geht nur durch loslassen. Und das fällt schwer. Aber Trost: Gott hilft dabei. Er macht es möglich. Mit Ihm gelingt es!