Das Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Gleichnissen Jesu. Drei Personen sehen im Vordergrund: Der Vater und seine beiden Söhne. Ich habe das Gleichnis oft und oft gehört und immer wieder meditiert. In jede der drei handelnden Personen kann ich mich hineindenken. In jeder finde ich etwas von mir selber wieder.
Da ist zuerst der jüngere Sohn. Er will ausbrechen, sucht das große Leben. Er hat Lust auf Abenteuer, will hinaus in die Welt des Alltags. Das Gleichnis schildert anschaulich, wie das Abenteuer kläglich endet.
Da ist der ältere Bruder. Er ist daheim geblieben. Ein Mann der Pflicht, der Tag für Tag seinen Dienst tut, seine Arbeit treu verrichtet. Die Wut auf den jüngeren Bruder kann ich mir gut vorstellen.
Ja, und da ist der Vater. Er ist die zentrale Figur in diesem Drama. Warum war er mit dem jüngeren Sohn nicht strenger? Und warum ist er so nachsichtig mit ihm, als dieser hungrig und dreckig heimkehrt, nachdem er sein ganzes Erbteil durchgebracht hat? Warum setzt er ihn wieder als Erben ein? Denn das tut er, indem er den Jüngeren voll als Sohn aufnimmt, und nicht bloß als Knecht. Jetzt muss der Ältere auch noch sein Erbteil mit dem Jüngeren teilen!
Worum geht es in diesem Drama? Was will Jesus damit sagen? Was sagt es mir? Ich sehe in diesem Gleichnis vor allem eine Botschaft: Wenn du dich, wie der jüngere Sohn, verirrt hast, wenn dein Leben schief gegangen ist, wenn alles bachab geht, kannst du „in dich gehen“ und dich erinnern: Ich habe einen Vater! Ich kann heimkehren! Es gibt ein zu Hause, auch wenn ich weggelaufen bin!
Glücklich, wer weiß, dass es diesen Vater gibt! Glücklich wer sich daran erinnert: Ich hatte doch einmal ein Zuhause! Wie tragisch ist es, wenn Menschen dieses Wissen nicht haben. Jesus erinnert uns daran: ein liebender Vater wartet auf dich. Du kannst dich auf den Heimweg machen. Er wird dir nicht die Tür weisen, wenn du heimkommst. Im Gegenteil: Gott, dein Vater sehnt sich nach ihr!
Traurig, wer sich, wie der ältere Bruder, nicht mit freuen kann an der Heimkehr des verlorenen Bruders. Er kann sich nicht freuen, weil er zuvor mit dem eigenen Bruder kein Mitleid gehabt hat. Er sah nur dessen Fehler, war für ihn voll Verachtung. Anders der Vater: Ihn schmerzte der Irrweg seines jüngeren Sohnes. Jesus will, dass wir mit den Verlorenen mitfühlen. Nur dann gibt es die große Freude über „deinen Bruder“, der wieder heimgefunden hat.