Viele Menschen haben in der Finanzkrise Geld verloren. Manche sehr viel. Sie haben sich auf Anlageberater verlassen – und sind bitter „reingefallen.“ Nicht alle Anlageberater waren verbrecherisch wie Herr Madoff. Sie haben nur mitgemacht mit dem, was allgemein üblich geworden war.
Ein Bürgermeister einer mittleren Gemeinde hat mir anvertraut, auf Anraten der örtlichen Bank habe die Gemeinde ihre Schulden an eine kanadische Bank verkauft (!!) in der Hoffnung, dass diese Schulden ein gutes Geschäft werden könnten. Sie wurden es nicht (was niemand Vernünftigen überrascht) und jetzt sitzt die Gemeinde wieder auf ihren Schulden, plus die Verluste aus Kanada.
Jesus nimmt eine noch schlimmere Situation als Beispiel, von dem wir lernen sollten. Was sollen wir lernen? Schlechtes Wirtschaften, und dann noch Betrügen, um sich „herauszuwursteln?“ Lehrt Jesus Unmoral?
Die Situation ist klar: ein schlechter Verwalter steht vor dem Hinauswurf. Bei uns heute bekäme er eine saftige Abfertigung von einigen Millionen. Der Verwalter im Gleichnis Jesu holt sich die Abfertigung auf seine Art. Er betrügt seinen Chef gleich nochmals kräftig, indem er dessen Schuldnern massive Nachlässe gewährt. Er macht sich Freunde mit dem Geld seines Chefs, um nach seinem Hinauswurf genügend gute Beziehungen zu haben, „Freunde,“ die ihm weiterhelfen und seinen Betrug sicher nicht verraten werden, damit es sie nicht auch erwischt.
Was ist an diesem massiven Betrug lobenswert? „Der Herr lobte die Klugheit seines unehrlichen Verwalters“, sagt Jesus. Wenn das die Klugheit ist, die Jesus empfiehlt? Ich verstehe die Absicht Jesu aus eigener Erfahrung.
Vor vielen Jahren wurde ich Opfer eines Betrügers. Seine Geschichte war perfekt aufgebaut, durch und durch glaubwürdig, nach allen Seite abgesichert, hielt allen Nachprüfungen stand. Aber das Geld war dann doch weg. Es hat mich lange sehr gekränkt, nicht so sehr wegen des Verlustes an Geld, sondern wegen des Gefühls, raffiniert betrogen worden zu sein. Damals dachte ich mir: wenn dieser Mann seine ganze Intelligenz, seine Geschicktheit, seine strategische Begabung für eine gute Sache verwendet hätte, er könnte Großartiges für die Menschen leisten.
Ja, Jesus sagt leider die Wahrheit: „Die Kinder dieser Welt“ sind oft viel klüger als „die Kinder des Lichts.“ Wenn wir uns so für das Gute, für das Reich Gottes, für die Nächstenliebe mit so viel Phantasie, Energie, Ausdauer einsetzen würden wie manche Betrüger sich für ihr übles Tun einsetzen, dann sähe die Welt anders aus. Mein Rat: Jesus ist der beste Anlageberater. Er weiß, wie wir unser Geld wirklich nachhaltig einsetzen können. Machen wir doch sinnvolles mit unserem Geld!