In Zeiten von Wikileaks wird alles gesagt. Nichts, aber schon gar nichts bleibt geheim. Die elektronische Welt macht alles zum Glashaus, einsichtig von allen Seiten. Und meistens wird der so durchsichtig gemachte „gläserne Mensch“ auch zum Beschuldigten. Auf Barmherzigkeit kann keiner hoffen.
Auch Jesus enthüllt. Er sagt der Frau am Jakobsbrunnen auf den Kopf zu, wie es um ihr Leben steht. Aber wie anders ist es, wenn Jesus die Wahrheit an den Tag bringt!
Versuchen wir, uns in die Szene einzufühlen. Mittagshitze (=sechste Stunde). Jesus rastet erschöpft am Brunnen Jakobs. Da kommt eine Frau, eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Kein vernünftiger Mensch geht im Orient zu Mittag zum öffentlichen Brunnen. Es ist viel zu heiß. Früh morgens oder in der Abendkühle kommen die Frauen zum Brunnen.
Kommt diese Frau zu Mittag, weil sie da sicher ist, dem Klatsch und Tratsch der Frauen ihres Dorfes zu entkommen? Grund genug hat sie. Ihr chaotisches, ungeordnetes Leben hat sie einsam gemacht.
Da begegnet sie einem, der so anders ist: Jesus, ein Jude, redet sie an. Mehr: Er bittet sie, ihm zu trinken zugeben. Das berührt ihr Herz. Da ist einer, der sie nicht schief ansieht Er bittet sie um einen kleinen Liebesdienst: Gib mir zu trinken! So fasst sie Vertrauen. Er spricht von einer Gabe, die er geben kann, von einem Quell lebendigen Wassers, das allen Durst stillt.
„Gib mir von diesem Wasser“, bittet sie, „damit ich keinen Durst mehr habe“. Nach Liebe hat sie stets gedürstet, und sie bei Männern gesucht, ohne sie zu finden. „Geh, ruf deinen Mann“. „Ich habe keinen Mann“. Jesus sagt ihr auf den Kopf zu: „Fünf Männer hast du gehabt, und der, mit dem du jetzt lebst, ist nicht dein Mann“.
Jesus sagt ihr die Wahrheit. Aber nicht so, wie es heute meist geschieht: um bloßzustellen, um aufzudecken. Er sagt ihr alles ganz offen, und sie ist nicht verletzt. Die Wahrheit macht frei, hat Jesus gesagt. Für die Frau war es befreiend, was Jesus ihr über ihr unglückliches Liebesleben sagt. Er hat ihr Herz berührt, weil er ihr die Wahrheit mit Liebe gesagt hat.
Mich erschüttert das Wort dieser Frau: „Ich habe keinen Mann!“ Welche Einsamkeit mitten in ihren vielen Männergeschichten! Jesus hat ihre tiefe Sehnsucht angesprochen und so die Quelle lebendigen Wassers in ihrem Herzen geweckt. Alles ist anders geworden. Die Frau eilt in den Ort und ruft alle zusammen, vor denen sie sich vor Scham versteckt hatte: „Da ist einer, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe!“ Und sie, die Verschreckte, führt den ganzen Ort zu Jesus hin. Und viele kommen zum Glauben an Jesus.
Jesus sagt auch mir die Wahrheit über mein Leben. Er klagt nicht an. Er nimmt mich an. Seine Liebe macht mich frei. Das darf auch ich den anderen weitersagen! Und sie zu Jesus führen!