Der Bericht von der Himmelfahrt Jesu steht am Anfang eines Buches der Bibel, das "Apostelgeschichte" heißt. Wörtlich und genauer ist sein Titel: "Die Taten der Apostel". Es ist eines meiner liebsten Bücher der Bibel. Die vier Evangelien erzählen von den Taten und Worten Jesu. Die "Apostelgeschichte" handelt von den Taten und Worten der ersten Anhänger Jesu. Sie ist das Buch von den Anfängen der Kirche. Sie beschreibt die Ausbreitung des Christentums und das Leben der ersten Christen. Wer immer wissen will, wie alles anfing, dem wird die Apostelgeschichte unentbehrlich.
"Back to the roots", "Zurück zu den Wurzeln", so lautet das Motto jeder Erneuerung. Durch alle Jahrhunderte haben Reformbewegungen der Kirche ihren Blick auf die Anfänge gerichtet. Der heilige Franz von Assisi wollte die Kirche wieder zur Lebendigkeit der Anfangszeit zurückführen. Und Papst Franziskus hat dasselbe Anliegen: Die Reform der Kirche muss sich am Geist ihres Ursprungs orientieren.
In der Erzdiözese Wien haben wir den ganzen Erneuerungsprozess zuerst unter den Titel "Apg 2010" (Apostelgeschichte 2010) gestellt, und neuerdings unter "Apg 2.1": Erneuerung aus dem Ursprung!
Drei Dinge gehören zu jeder "Reform aus den Anfängen" des Christentums. Zuerst: Was Jesus selber wollte! Vierzig Tage lang nach Ostern, nach seiner Auferstehung, hat Jesus die ersten Jünger "geschult", hat zu ihnen "vom Reich Gottes gesprochen", das heißt vom Plan Gottes, von Seinen Wegen und Anliegen, kurz: von dem, um was es Jesus wirklich ging. Deshalb heißt Erneuerung der Kirche immer zuerst: neu hinhören auf das, was Jesus wollte und noch heute will. Eine Reform des Christentums, die nicht von Jesus und seinem Wort ausgeht, ist schlichtweg "für die Katz’".
Um auf Sein Wort zu hören, hat Jesus einen besonderen Rahmen gewählt: "das gemeinsame Mahl". In den Jahren seines öffentlichen Wirkens hat Jesus oft seine wichtigsten Lehren bei Tisch mit seinen Jüngern besprochen. Heute noch ist das Zusammenkommen um den "Tisch des Herrn", die heilige Messe, besonders am "Tag des Herrn", am Sonntag, der normale Weg, wie auf die Worte und Lehren Jesu gehört werden kann. Darum ist es so wichtig, dass der Sonntagsgottesdienst lebendiger und ansprechender wird.
Eine zweite Quelle der Erneuerung ist der von Jesus verheißene Heilige Geist. Jesus nennt ihn "die Kraft von oben". Ohne sie wird alle Reform nur ein äußerliches Renovieren der Fassaden. Der Heilige Geist ist der innere Motor jeder echten Erneuerung. Es geht nicht um die Wiederherstellung einer früheren "Machtposition" der Kirche, auch nicht um ihren weltlichen Erfolg. Die Versuchung, sich das zu wünschen, ist schnell einmal da. Der Heilige Geist macht die Kirche lebendig, nicht aber mächtig. Jesus wollte, dass seine Anhänger dienen, nicht herrschen. Nur so können sie seine Zeugen sein.
Das ist das dritte Element einer Reform aus dem Ursprung: "Ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde". Im Buch der Apostelgeschichte werden die ersten Schritte der Kirche dargestellt. Papst Benedikt XVI. sagte 2007 der Kirche in Österreich: "Schreibt die Apostelgeschichte weiter!" Ein spannender Auftrag. Ich vertraue darauf, dass er gelingt!