Ich freue mich über einen freien Tag: Christi Himmelfahrt! Die Wirtschaft freut sich weniger darüber. Regelmäßig gibt es Versuche, die beiden Donnerstagsfeste (Christ Himmelfahrt und Fronleichnam) abzuschaffen. Gerne wird dann darauf hingewiesen, dass sie auch im „katholischen“ Italien nicht mehr Feiertage sind, und dass selbst der Vatikan dazu die Zustimmung gegeben habe. Ist Österreich katholischer als der Vatikan?
Die beiden Donnerstagfeste sind auf jeden Fall im sogenannten „Konkordat“ verankert, jenen Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Vatikan, der das Verhältnis Staat – Kirche in Österreich weitgehend regelt. Das „Konkordat“ wird immer wieder kritisiert: die „Privilegien“ der Katholischen Kirche! Dabei wird meist vergessen, dass nach österreichischem Recht die anderen Religionsgemeinschaften ganz gleich behandelt werden. Nur die „katholischen“ Feiertage haben eine bevorzugte Stellung. Aber darüber beschweren sich die Wenigsten, dass sie einige freie Tage mehr haben …
Wichtiger wird aber in Zukunft die Frage: Wozu Feiertage wenn nicht gefeiert wird? Daher meine Frage: Was feiern wir eigentlich heute? Genauer: Was bedeutet dieses heutige Fest für die Christen? Und welchen Sinn kann es auch für Menschen haben, die den christlichen Glauben nicht teilen?
Ich sehe „Christi Himmelfahrt“ als das Fest des Anfangs einer neuen Epoche. Heute geht eine Zeit zu Ende. Neues beginnt. Zu Ende geht die Zeit der irdischen, sichtbaren, greifbaren Gegenwart Jesu. Es beginnt eine neue Epoche, in der Jesus nicht mehr direkt „der Chef“, der Meister, der Leiter der kleinen Gemeinschaft ist, die er um sich gesammelt hat.
Ich finde es hilfreich, sich anzusehen, wie die Jünger Jesu in dieser Situation reagiert haben. Sie blicken vor allem zurück und nach oben, also weg vom Jetzt, weg von ihrer neuen Situation. Sie schauen zurück auf ihre Träume: sie hatten gehofft, Jesus werde das mächtigste Königreich Davids wieder herstellen. Immer noch wollen sie nicht diesen Traum loslassen. Und als Jesus ihren Augen entschwindet, schauen sie nach oben, ihm nach, als wollten sie selber aus dieser Welt flüchten.
Da bekommen sie durch zwei Himmelboten einen ordentlichen Rüffel: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel hinauf?“ Eine neue Epoche hat für euch begonnen. Was hat Jesus euch verheißen? Nicht weltliche Macht. Nicht ein Königreich. Auch kein Paradies auf Erden. Nur eines hat er euch versprochen: die Kraft von oben, den Heiligen Geist! Also geht los, seid meine Zeugen! Träumt nicht von gestern, sondern bringt den Menschen die frohe Botschaft!
Der freie Donnerstag, das Fest der Himmelfahrt Jesu hat auch diese Botschaft: in jedem Leben gibt es Abschied und Neuanfang. Nicht nostalgisch zurückschauen, nicht sehnsüchtig nach oben blicken, sondern auf die Kraft und Weisung des Heiligen Geistes hoffen, der hilft hier und jetzt mit einer neuen Epoche gut zu beginnen.