Eine Nacht besonderer Art, die ihnen unvergesslich blieb! Die Jünger Jesu hatten einen langen Tag hinter sich. Eine Menschenmenge hatte sich am Ufer des Sees Genezareth eingefunden, um Jesus zu hören, zu sehen, um vielleicht Heilung von Krankheiten zu erlangen. Lange hatte Jesus zu ihnen gesprochen, und am Abend hat er mit nur fünf Broten und zwei Fischen der Masse übergenug zu essen gegeben, riesen Mengen sind übrig geblieben.
All das hatten seine Jünger erlebt. Jetzt schickte Jesus sie heim über den See. Er blieb allein zurück, um die Leute zu verabschieden und in der Stille der Nacht zu beten. Von dem Berg, wo Jesus sich zurückzog („Berg der Seligpreisungen“), hat man eine großartige Sicht über den ganzen See. Jesus kann also das Boot sehen, im heftigen Gegenwind.
Hier steige ich gewissermaßen selber in die Geschichte ein. Ich möchte Jesus eine Frage stellen: Herr, Du siehst, wie sie sich abmühen, gegen Wind und Wellen – und hilfst ihnen nicht? Sie plagen sich – und Du betest! Du weißt, wie mühsam es für sie ist – und lässt sie rudern bis zur 4. Nachtwache! Fast bis zum Morgengrauen! Praktisch die ganze Nacht!
Dabei kommt mir die Frage: Herr, warum lässt Du uns, mich, so oft so lange mühsam rudern – scheinbar ohne zu helfen? Wie viele Menschen müssen sich abrackern, sich schinden im Alltag, in ihren Nächten – Du weißt es, Du siehst es! Warum greifst Du nicht ein? Warum wartest Du die ganze Nacht ehe Du uns zu Hilfe kommst?
Heißt Deine Antwort vielleicht: Ich habe dich gesehen, wie du dich abplagst. Ich habe nicht weggeschaut. Ich habe die ganze Zeit für dich gebetet, dich in meinem Gebet getragen, damit du nicht untergehst und durchhältst. In mühsamen Momenten hilft es, daran zu denken: Herr Du trittst für mich ein!
Ich versuche mir vorzustellen, wie es weiterging. In der 4. Nachtwache, kurz vor dem Morgengrauen – eine Stunde ganz eigener Stimmung – kommt Jesus über den See, auf dem Wasser, auf sie zu. Schiere Panik erfasst diese erfahrenen Männer: „sie schrien vor Angst“! Erst als er sie anspricht erkennen sie, dass es nicht ein Gespenst ist: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht“.
Hier kann ich wieder in die Geschichte einsteigen, mit den Jüngern im Boot sein. Panik, Schrecken sind mir nicht unbekannt. Ich erinnere mich an eine solche Nacht, tief in Indien, mit 42 Grad Fieber: Hier kommst du nicht lebend heraus! Todesangst. Alles fremd, weit vom sicheren zu Hause. Und da, gegen Morgen, „um die 4. Nachtwache“ – die Erfahrung einer tröstenden Gegenwart. Es war als sagte der Herr selber zu mir: „Hab Vertrauen, ich bin es, fürchte dich nicht.“ Kann das heutige Evangelium nicht dazu anregen, einander solche Erfahrungen zu erzählen? So taten es die Jünger. Sie haben es weitererzählt, sie haben sich nicht gescheut, ihre Angst einzugestehen. Umso beeindruckender, wenn sie berichten, wie sie die Nähe Jesu erleben durften.
Besonders Petrus! Er wagt sich aufs Wasser hinaus, will wie Jesus übers Wasser gehen, auf Ihn zu. Und muss erleben, dass sein Glaube noch sehr schwach ist. Hier kann ich mich hinter Petrus einreihen. Wie oft erlebe ich, dass Jesus mir sagen muss: Du Kleingläubiger! Ja, in dem Evangelium hat viel von meinem eigenen Leben Platz!