Jedes Jahr zu Ostern bewegt mich das von Neuem: die Tränen dieser Frau am Grab eines Menschen, den sie mehr als alles und alle in dieser Welt geliebt hatte. Maria von Magdala ist die erste Zeugin der Auferstehung. Schon ganz früh am Morgen dieses ersten Tages der Woche geht sie zum Grab. Es ist noch dunkel. So früh wie möglich drängt es sie in ihrem Schmerz, zum Grab Jesu zu gehen.
Da findet sie das Grab leer … Ihr Schmerz wird unerträglich. Nach den schrecklichen Todesqualen, die man ihrem geliebten Meister angetan hat, jetzt auch noch das: „Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen!“
Zwei seiner Apostel laufen daraufhin zum Grab, finden es leer, stehen vor einem Rätsel – und gehen wieder zurück in ihr Quartier. Sie verstecken sich wieder, sie tun nichts um seinen Leichnam zu suchen. Immer noch haben sie Angst, auch verhaftet zu werden wie ihr Meister.
Diese Angst kennt Maria Magdalena nicht. Für sie gilt wirklich: Die Liebe vertreibt die Furcht. Sie bleibt beim Grab. Sie wartet. Sie weint. Und findet ihn, den sie unter den Toten sucht, er zeigt sich ihr als der Lebende.
Er lebt! Das ist das Neue, Große an diesem Ostermorgen: „Ich war tot – und siehe, ich lebe!“, sagt Christus zum Seher von Patmos. Maria von Magdala ist die erste Zeugin. Sie wurde zur ersten Botin: „Geh’ zu meinen Brüdern und sag’ es ihnen!“
Mich berührt am Osterevangelium zuerst, dass das erste Wort des Auferstandenen ein Wort des Mitgefühls ist: „Frau, warum weinst du?“ Jesus ist gekommen, um den Trauernden Trost und Freude zu bringen – bis heute. Und sein Trost ist keine billige Vertröstung, sondern der echte Trost einer liebenden Zuwendung.
Besonders berührend ist für mich die Art ihrer Begegnung. Maria Magdalena erkennt Jesus zuerst noch nicht, sie hält ihn für den Gärtner, bis Jesus sie beim Namen nennt: Maria! Jesus sieht keinen von uns „anonym“. Ihm begegnen, ist etwas ganz Persönliches. Er spricht mich an, namentlich, unverwechselbar.
Und noch etwas Besonderes: Er schickt Maria von Magdala zu seinen Jüngern. Er hätte allen Grund, ihnen böse zu sein. Sie haben ihn verraten und verlassen. Sie haben ihn allein am Kreuz sterben lassen. Nur Johannes war bei ihm geblieben, mit Maria, seiner Mutter, mit den Frauen aus Galiläa und mit Maria von Magdala. Sie schickt er jetzt zu ihnen und nennt sie „meine Brüder“! Kein Vorwurf. Nur Verzeihen. Nur Freude. So soll Ostern sein, auch heute: Trost, Verzeihen, Freude! Frohe Ostern!